Kurz erklärt
Die Sauberkeitsentwicklung ist für Eltern oft ein wichtiges Thema. Nach der Leitlinie von 2021 soll sie erst mit fünf Jahren abgeschlossen sein. Erst danach spricht man von einer nicht-organischen Ausscheidungsstörung, und nur, wenn keine körperlichen (urologischen) Ursachen vorliegen. [3, Kap. C.5.3.3] Einnässen, Harninkontinenz und Einkoten kommen bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus nach der Leitlinie häufig vor. [3, Kap. C.5.3] Diagnostik und Behandlung verlaufen grundsätzlich wie bei Menschen ohne Autismus und zeigten analoge Erfolge; zuerst sollen körperliche Ursachen abgeklärt werden. [3, Kap. C.5.3.3, Empf. 37] Kontrollierte Studien zur Behandlung bei Autismus fand die Leitlinie nicht. [3, Kap. C.5.3.2]
Stand der Leitlinie: Dieser Beitrag nutzt die S3-Leitlinien zu Autismus (Diagnostik 2016, Therapie 2021). Beide sind abgelaufen. [1] Die Aussagen sind nicht automatisch falsch, aber nicht durch eine gültige Leitlinie gedeckt.
Was „Sauberkeitsentwicklung“ und Ausscheidungsstörung bedeuten
Die Leitlinie unterschied die Sauberkeitsentwicklung als Teil der Entwicklung (nach ihrer Aussage mit fünf Jahren abgeschlossen) von nicht-organischen Ausscheidungsstörungen: Einnässen (Enuresis), Harn- und Drangurininkontinenz, seltenere Formen der Inkontinenz sowie Einkoten (Enkopresis). Für die Diagnosen sind jeweils Alterskriterien zu beachten. Beim Einkoten muss bei der Behandlung zwischen Formen mit und ohne Verstopfung unterschieden werden. [3, Kap. C.5.3] Die Leitlinie zur Diagnostik führte in einer Übersichtstabelle zu Begleiterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen unter anderem Einnässen (11 % in einer Studie mit 112 Kindern mit Autismus) und Einkoten (6,6 %) auf. Bei einer Vergleichsgruppe ohne Autismus lagen die Werte aus anderen Studien niedriger (Einkoten 1,1 %). Die Studien unterschieden sich in Alter, Stichprobe und Definition und sind nur grob vergleichbar. [2, Kap. A.3.3, Tab. 4] Dass die Sauberkeitsentwicklung im Frühförderalltag eine große Rolle spielt, hielt die Therapie-Leitlinie ausdrücklich fest. [3, Kap. C.5.3.3] Mehr zu Frühförderung: Frühförderung bei Autismus.
Zuerst körperliche Ursachen abklären
Die Leitliniengruppe empfahl (konsensbasiert, starker Konsens), bei Verdacht auf eine Ausscheidungsstörung die Alterskriterien zu beachten und organische Ursachen abzuklären und auszuschließen. Erst danach sollte die Diagnostik der nicht-organischen Störung nach der AWMF-Leitlinie 028-026 erfolgen und anschließend eine spezifische verhaltensbasierte oder medikamentöse Therapie eingeleitet werden. [3, Empf. 37] Praktisch heißt das: Bei anhaltenden Problemen ist die Kinderärztin oder der Kinderarzt (bei Bedarf Kinderurologie) die erste Anlaufstelle. Hinweis: Das ist eine Einordnung der Redaktion im Sinne der Leitlinie.
Behandlung im Gesamtplan
Die Therapie von Ausscheidungsstörungen sollte nach der Leitlinie immer im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplans erfolgen, weil oft weitere Schwierigkeiten bestehen, zum Beispiel oppositionelles oder ängstliches Verhalten, die zuerst behandelt werden müssen, damit die Arbeit an der Ausscheidung gelingt. Außerdem müssen die familiäre und die Alltagssituation berücksichtigt werden. [3, Empf. 37] Beim Einkoten verwies die Leitlinie, solange keine gültige AWMF-Leitlinie vorlag, auf Empfehlungen der internationalen Gesellschaft für kindliche Inkontinenz. [3, Empf. 37]
Zu Medikamenten hielt sie fest: Es gebe Hinweise aus Fallserien, dass Risperidon (ein Medikament, das bei Autismus eingesetzt wird) insbesondere bei Kindern mit Intelligenzminderung Harn- und Stuhlinkontinenz auslösen könne, in einer randomisierten Studie waren Ausscheidungsstörungen unter Risperidon und Placebo jedoch gleich häufig. Tritt eine Ausscheidungsstörung unter Risperidon oder einem anderen Neuroleptikum neu auf, soll das Medikament reduziert oder abgesetzt und ein alternatives Präparat erwogen werden. [3, Kap. C.5.3, Empf. 37] Medikamente nie eigenmächtig absetzen, sondern mit der verschreibenden Ärztin oder dem Arzt besprechen. Hinweis: Das ist ein Sicherheitshinweis der Redaktion. Mehr: Medikamente bei Autismus: Möglichkeiten und Grenzen.
Wann weitere Hilfe sinnvoll ist
Bleibt die ambulante Behandlung nach etwa drei bis sechs Monaten ohne Erfolg oder haben die Eltern große Schwierigkeiten, die Maßnahmen zu Hause umzusetzen, sollte rechtzeitig an eine teilstationäre, bei zusätzlichen Begleiterkrankungen in der Regel an eine vollstationäre Therapie gedacht werden (konsensbasiert, starker Konsens). [3, Empf. 38] Entlastungsangebote für Familien: Entlastung für Familien: Angebote im Überblick. Zu herausfordernden Situationen zu Hause: Herausfordernde Situationen zu Hause.
Was wissen wir – was ist noch offen?
Konsensbasiert/Leitlinie: Körperliche Ursachen zuerst, Behandlung im Gesamtplan, Diagnostik und Therapie analog zu Kindern ohne Autismus, stationäre Optionen bei Misserfolg. [3, Empf. 37, 38]
Offen:
- Die Leitlinie fand keine kontrollierten Studien zur Behandlung von Ausscheidungsstörungen speziell bei Autismus. [3, Kap. C.5.3.2]
- Wie viel häufiger Ausscheidungsprobleme bei Kindern mit Autismus sind, lässt sich aus den kleinen, uneinheitlichen Studien der Diagnostik-Leitlinie nur grob ablesen. [2, Kap. A.3.3, Tab. 4]
- Praktische Anleitungen für zu Hause (Schritte, Hilfsmittel) hat die Redaktion nicht aus geprüften Quellen aufgenommen.
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- Herausfordernde Situationen zu Hause
Quellen und Literatur
- DGKJP. Aktuelle Leitlinien (Einträge 028-018 „Gültig bis 04.04.2021“ und 028-047 „Gültig bis 23.03.2026“). https://www.dgkjp.de/wissen/aktuelle-leitlinien/ – Fachgesellschaft
- DGKJP/DGPPN et al. Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 1: Diagnostik. S3-Leitlinie, AWMF-Reg.-Nr. 028-018, Stand Text 23.02.2016. – Leitlinie; abgelaufen
- DGKJP, DGPPN et al. Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 2: Therapie. S3-Leitlinie, AWMF-Reg.-Nr. 028-047, Stand Text 02.05.2021. – Leitlinie; abgelaufen am 23.03.2026
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