Kurz erklärt
Reagiert ein Kind oder Jugendlicher mit Autismus häufig trotzig oder aggressiv, empfahl die S3-Leitlinie von 2021 als Erstes, die Ursachen zu klären. Dazu gehören eine genaue Verhaltensanalyse (wann, wo, mit wem, wie oft und wie reagiert wird) und die Abklärung körperlicher oder psychischer Erkrankungen, die dahinterstehen können. [1, Empf. 61] Wo nötig, sollen die Umgebung angepasst und Überforderung vermieden werden. Als Behandlung der ersten Wahl nannte die Leitlinie psychosoziale Angebote, darunter Elterntrainings. [1, Empf. 61] Die Leitlinie ist seit dem 23.03.2026 abgelaufen. [2]
Stand der Leitlinie: Dieser Beitrag nutzt die S3-Leitlinie Therapie (2021). Sie ist seit dem 23.03.2026 abgelaufen. [2] Die Aussagen sind nicht automatisch falsch, aber nicht durch eine gültige Leitlinie gedeckt.
Zuerst verstehen: Verhaltensanalyse und Ursachen
Die Leitlinie übernahm für diesen Bereich Empfehlungen aus britischen Quell-Leitlinien. [1, Empf. 61] Danach sollen die primären Ursachen für oppositionelle und aggressive Verhaltensweisen mit passenden Maßnahmen angegangen werden. Mit einer differenzierten Verhaltensanalyse sollen Informationen von den Betroffenen selbst, von Eltern und weiteren Betreuungspersonen (zum Beispiel Lehrkräften) und aus direkter Beobachtung gesammelt werden. Es geht darum, wann, wo, mit wem, in welcher Form und wie oft das Verhalten auftritt und wie darauf reagiert wird. So lassen sich mögliche Ursachen und aufrechterhaltende Faktoren erkennen. [1, Empf. 61] Außerdem sollen begleitende psychische oder körperliche Erkrankungen, die damit zusammenhängen können, erkannt, diagnostiziert und nach dem Stand der Evidenz behandelt werden. [1, Empf. 61] Mehr dazu: Häufige Begleiterkrankungen bei Autismus und Schlafprobleme bei Autismus.
Anpassungen im Alltag
Wenn die Verhaltensanalyse Hinweise auf einen Zusammenhang ergibt, sollen nach der Leitlinie Veränderungen der Umwelt erfolgen, zum Beispiel visuelle Unterstützung bei der Strukturierung der Anforderungen oder Schlafhygiene. Überforderung soll erkannt werden, und die Anforderungen sollen an den Entwicklungsstand (kognitive, emotionale und sprachliche Fertigkeiten) angepasst werden. [1, Empf. 61] Weitere Beispiele für Struktur im Alltag: Routinen und Struktur im Alltag.
Elterntraining
Liegen keine körperlichen oder psychischen Erkrankungen oder Umgebungsfaktoren vor, die das Verhalten auslösen oder aufrechterhalten, sollen psychosoziale Angebote auf der Grundlage der Verhaltensanalyse als Primärbehandlung angeboten werden, wenn die Intensität des Verhaltens moderat ist. Dabei soll insbesondere auf den Aufbau von Kompetenzen und auf eine wirksame positive Verstärkung funktionalen Verhaltens geachtet werden. [1, Empf. 61]
Für Vorschul-, Grundschul- und Jugendalter empfahl die Leitlinie (Empfehlungsgrad A) manualisierte, verhaltenstherapeutisch fundierte Elterntrainings. Sie sollen die erzieherischen Kompetenzen der Eltern unterstützen, ihr Wirksamkeitserleben stärken und so mittelbar die Verhaltensweisen der Kinder und Jugendlichen verringern. In Rollenspielen sollen unter anderem diese Fertigkeiten erarbeitet und geübt werden: positive Eltern-Kind-Interaktion, Kommunikation und Emotionsregulation des Kindes, das wirksame Setzen und Umsetzen von Regeln und der klare Verzicht auf strafende Verhaltensweisen (zum Beispiel Schimpfen). Dazu kommen praktische Übungen mit Hausaufgaben. [1, Empf. 61] Das Training richtet sich nicht gegen dich: Es soll dich und dein Kind unterstützen. Die Leitlinie gab für diese Empfehlung den Evidenzlevel 2 bis 3 an; wie solche Angaben zu lesen sind: Wie gut ist eine Studie?. [1, Empf. 61]
Weitere Möglichkeiten
- Bei hoher Belastung der Bezugs- und Betreuungspersonen sollte zusätzlich eine medikamentöse Behandlung erfolgen; darüber entscheiden Ärztinnen und Ärzte. [1, Empf. 61] Mehr: Medikamente bei Autismus.
- Zusätzlich zu Elterntrainings können Interventionen aus der S3-Leitlinie zur Störung des Sozialverhaltens erwogen werden; bei selbstverletzendem Verhalten können die Empfehlungen einer AWMF-Leitlinie zu nicht-suizidalem selbstverletzendem Verhalten nach individueller Verhaltensanalyse Anwendung finden. [1, Empf. 62]
Was du sonst noch wissen solltest
- Du bist nicht schuld. Die Leitlinie suchte nach Ursachen und aufrechterhaltenden Faktoren, nicht nach Schuld.
- Entlastung für dich: Entlastung für Familien.
- Bei akuter Gefahr für dein Kind oder andere wähle den Notruf 112. Weitere Anlaufstellen für Krisen: Psychotherapie bei Autismus.
- Fachliche Hilfe: Frag in der Praxis, die dein Kind behandelt, nach einer Verhaltensanalyse und nach Elterntrainings.
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Quellen und Literatur
- DGKJP, DGPPN et al. Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 2: Therapie. S3-Leitlinie, AWMF-Reg.-Nr. 028-047, Stand Text 02.05.2021 (Empf. 61, 62). – Leitlinie; abgelaufen am 23.03.2026 (siehe Nr. 2)
- DGKJP. Aktuelle Leitlinien (Eintrag 028-047: „Gültig bis 23.03.2026“). https://www.dgkjp.de/wissen/aktuelle-leitlinien/ – Fachgesellschaft
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