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Fachkräfte & Praxis

Angst und Überforderung: Unterstützung in der Praxis

Für wen? Für Fachkräfte in Therapie, Beratung, Schule und Betreuung, die Menschen im Autismus-Spektrum bei Angst und Überforderung unterstützen.

Kurz erklärt

Angst ist bei Menschen im Autismus-Spektrum häufig: Eine Übersichtsarbeit nennt, dass etwa 40 bis 80 % schon eine Angststörung hatten. [2] Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) senkte in 19 Studien mit Kindern und Jugendlichen die Angst unmittelbar nach der Behandlung, aber der Nutzen hielt in der Nachbeobachtung nicht an, und die Einschätzungen von Fachkräften, Eltern und Kindern unterschieden sich deutlich. [4] Netzwerk-Metaanalysen sehen Hinweise auf Nutzen von KVT und Achtsamkeit, aber bei hohem Verzerrungsrisiko und überwiegend für Menschen ohne intellektuelle Beeinträchtigung. [2] [1]

Wie häufig ist Angst?

Linden und Kolleg:innen geben an, dass etwa 14 bis 50 % der Menschen im Autismus-Spektrum schon eine Depression und etwa 40 bis 80 % schon eine Angststörung hatten. Es gab keine hochwertige Netzwerk-Metaanalyse zu Nutzen und Schaden von Interventionen; eine solche legten sie vor. [2] Angst und Überforderung durch Reize oder Anforderungen sind nicht dasselbe, hängen im Alltag aber oft zusammen. Zu Reizüberflutung: Reizüberflutung erkennen und vorbeugen.

Kognitive Verhaltenstherapie bei Kindern und Jugendlichen

Sharma und Kolleg:innen werteten 19 randomisierte Studien mit 833 Teilnehmenden aus (Kinder und Jugendliche im Autismus-Spektrum). Unmittelbar nach der Behandlung zeigte sich eine große Wirkung auf die von Fachkräften beurteilte Angst (g = 0,88), eine kleinere auf die von Eltern berichtete (g = 0,40) und eine noch kleinere auf die von den Kindern selbst berichtete (g = 0,25). In der Nachbeobachtung blieb der Nutzen nicht erhalten, allerdings lagen dazu wenige Daten vor. Jüngere Kinder und Einzeltherapie schnitten bei einzelnen Einschätzungen besser ab. Die meisten Studien hatten Bedenken bei der Berichtsqualität; Nebenwirkungen wurden kaum berichtet. [4]

Netzwerk-Metaanalysen: KVT, Achtsamkeit, Bewegung

Linden und Kolleg:innen (71 Studien, 3.630 Teilnehmende) bewerteten alle Studien als mit hohem Verzerrungsrisiko; die Belege für Wirkung der verschiedenen Interventionen sind unsicher. Es gebe Hinweise, dass manche Formen der KVT Angst und Depression bei Kindern und Erwachsenen senken, dass Achtsamkeit bei Erwachsenen mit früheren psychischen Erkrankungen Angst und Depression senken kann und dass verhaltensbezogene Angebote bei Depression von Kindern etwas nützen. Sie empfehlen, Menschen im Autismus-Spektrum dieselben Hilfen zur seelischen Gesundheit anzubieten wie Menschen ohne Autismus, nach den Grundsätzen personenzentrierter Versorgung.

Schäden wurden in den Studien oft nicht ausreichend berichtet; ein Risiko wie mehr Selbstverletzung oder Suizidgedanken lässt sich dadurch nicht ausschließen. [2]

Ding und Kolleg:innen (67 Studien, 3.604 Teilnehmende) fanden, dass Achtsamkeitsverfahren die Angst am stärksten senkten (SMD −0,84), KVT die Depression (SMD −0,77) und körperliche Aktivität die Lebensqualität (SMD 0,59). Die Teilnehmenden waren überwiegend Männer ohne intellektuelle Beeinträchtigung (Frauen 7,1 %); Wirkungen waren bei Erwachsenen und bei Programmen von etwa 9 bis 16 Wochen stärker. Die Ergebnisse gelten deshalb vor allem für diese Gruppe. [1]

Was das für die Praxis bedeutet

Die Belege sprechen dafür, Angstbehandlung anzubieten und nicht zu verweigern, und sie mahnen zur Vorsicht bei der Übertragung auf Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, Frauen und Kinder. [2] [1] Bei der Beurteilung des Erfolgs sollten die Sicht der Betroffenen selbst und Beobachtungen von Fachkräften und Eltern zusammen betrachtet werden, weil sie sich unterscheiden. [4] Ein weiterer Beitrag schlägt vor, KVT und Interpersonelle Psychotherapie neurodiversitätsbewusst anzupassen; das ist ein Konzeptvorschlag ohne Wirksamkeitsnachweis. [3] Mehr zu Psychotherapie: Psychotherapie für Menschen mit Autismus.

Überforderung im Moment: Hinweise aus der Praxis

Zur akuten Überforderung (Overload, Meltdown, Shutdown) wurden hier keine Wirksamkeitsstudien ausgewertet. Als Redaktionseinordnung (nicht belegt): Reize senken, Anforderungen zurücknehmen, Ruhe und Zeit ermöglichen, wenig sprechen und nicht bedrängen, danach gemeinsam auswerten. Hintergrund und Vorgehen: Overload, Meltdown und Shutdown: Unterschiede verstehen, Was hilft in einem Meltdown? und Krisensituationen: deeskalierend handeln.

Was wissen wir – was ist noch offen?

Was wir wissen: KVT senkt bei Kindern und Jugendlichen im Autismus-Spektrum die Angst unmittelbar nach der Behandlung; Achtsamkeit und KVT zeigen Nutzen bei Angst und Depression, die Belege sind aber unsicher. [4] [2] [1]

Offen:

  • Ob der Nutzen anhält: Nachbeobachtungen fehlen oder zeigen keinen Erhalt. [4]
  • Wie sicher die Ergebnisse sind: Hohes Verzerrungsrisiko in allen Studien der Netzwerk-Metaanalyse. [2]
  • Für Frauen, Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung und ohne Lautsprache sind Studien kaum vorhanden. [1] [2]
  • Nebenwirkungen und Akzeptanz werden selten berichtet. [2]
  • Akute Überforderung: keine Wirksamkeitsstudien in den gelesenen Quellen.

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Quellen und Literatur

  1. Ding X, Luo H, Zhang J, Yang H, Fan Y, Wu J, Wu S: Comparative effectiveness of non-pharmacological interventions for anxiety, depression, and quality of life in individuals with autism spectrum disorder: A systematic review and network meta-analysis. Frontiers in Psychiatry 2025;16:1660412. https://doi.org/10.3389/fpsyt.2025.1660412 (frei lesbar, CC BY; online 02.12.2025) – Systematischer Review mit Netzwerk-Metaanalyse (67 Studien, 3.604 Teilnehmende)
  2. Linden A, Best L, Elise F, Roberts D, Branagan A, Tay YBE, et al.: Benefits and harms of interventions to improve anxiety, depression, and other mental health outcomes for autistic people: A systematic review and network meta-analysis of randomised controlled trials. Autism 2022;27(1):7-30. https://doi.org/10.1177/13623613221117931 (frei lesbar, CC BY; online 11.08.2022) – Systematischer Review mit Netzwerk-Metaanalyse (71 Studien, 3.630 Teilnehmende)
  3. Pantazakos T, Vanaken GJ: Addressing the autism mental health crisis: the potential of phenomenology in neurodiversity-affirming clinical practices. Frontiers in Psychology 2023;14:1225152. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2023.1225152 (frei lesbar, CC BY; online 04.09.2023) – Konzeptbeitrag
  4. Sharma S, Hucker A, Matthews T, Grohmann D, Laws KR: Cognitive behavioural therapy for anxiety in children and young people on the autism spectrum: a systematic review and meta-analysis. BMC Psychology 2021;9(1):151. https://doi.org/10.1186/s40359-021-00658-8 (frei lesbar, CC BY; online 01.10.2021) – Systematischer Review mit Metaanalyse (19 Studien, 833 Teilnehmende)

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