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Alltag gestalten

Exekutive Funktionen: Planen, Anfangen, Umschalten

Für wen? Für Jugendliche und Erwachsene im Autismus-Spektrum und Eltern, die verstehen möchten, warum Planen, Anfangen und Umschalten manchmal schwerfallen.

Kurz erklärt

Exekutive Funktionen sind Fähigkeiten, mit denen Menschen Handlungen planen, beginnen, im Blick behalten und flexibel anpassen. Eine große Metaanalyse (235 Studien, rund 14.000 Teilnehmende) fand bei Menschen im Autismus-Spektrum im Durchschnitt mäßig geringere Testergebnisse zu Exekutivfunktionen als bei Vergleichspersonen (Effektstärke 0,48), über Altersgruppen hinweg ähnlich. [1] Das ist ein Gruppendurchschnitt: Es sagt nicht, dass jede Person betroffen ist, und es eignet sich laut den Autor:innen nicht zur Diagnose. [1] Die S3-Leitlinie von 2021 beschrieb ein Training, das Flexibilität und Selbstorganisation verbesserte. [2, Kap. C.4.2.2] Sie ist abgelaufen. [3]

Was damit gemeint ist

Die Metaanalyse fasste Studien zusammen, die Exekutivfunktionen mit Aufgaben maßen und Menschen im Spektrum mit Vergleichsgruppen verglichen. [1] Im Alltag kann sich das so zeigen, dass Anfangen, Planen, Priorisieren oder Umschalten zwischen Aufgaben schwerfallen (Beschreibung der Redaktion, keine Aussage der Studie). Ob etwas „keine Lust“ oder „nicht können“ ist, lässt sich von außen nicht sicher sagen. Zur Motivation selbst haben wir keine Studien gelesen.

Was die Forschung fand

Die Metaanalyse (bis Juni 2016, 235 Studien, 6.816 Teilnehmende mit Autismus, 7.265 Kontrollpersonen) ergab: [1]

  • einen mäßigen Gesamteffekt für verminderte Exekutivfunktionen (Hedges‘ g = 0,48);
  • ähnliche Effekte in den verschiedenen Teilbereichen und relativ stabil über die Entwicklung; die meisten Vergleiche nach Einflussfaktoren zeigten keinen bedeutsamen Unterschied, eine Ausnahme war ein Altersunterschied beim Arbeitsgedächtnis;
  • der Effekt wurde in neueren Studien kleiner; die Autor:innen halten es für möglich, dass das mit der Erweiterung der Diagnosekriterien zusammenhängt;
  • nur wenige Messverfahren erreichten diagnostische Sensitivität; eine Aufteilung in einzelne Teilbereiche wurde nicht gestützt;
  • Fragebögen (Selbst- oder Fremdeinschätzung) ergaben deutlich größere Effekte als Tests und Aufgaben; die Hauptanalysen schlossen sie größtenteils aus. Selbst- und Testbefunde sind also nicht dasselbe.

Training von Flexibilität und Selbstorganisation

Die Therapie-Leitlinie von 2021 gab eine Studie (Kenworthy et al. 2014) zu einem Programm für exekutive Funktionen wieder: Es verbesserte Flexibilität und Selbstorganisation, aber nicht die soziale Interaktion. [2, Kap. C.4.2.2, C.4.3.2] Eine Empfehlung dazu sprach die Leitlinie nicht aus; die Studie ist nicht von der Redaktion geprüft.

Was im Alltag helfen kann

Die Leitlinie nannte für den Alltag Struktur, Vorhersehbarkeit und visuelle Mittel als hilfreich im Umgang mit Menschen mit Autismus. [2, Empf. 3] Das bezieht sich nicht ausdrücklich auf Exekutivfunktionen. Als Anregungen der Redaktion (nicht belegt): Aufgaben in kleine Schritte teilen, feste Anfangsrituale, sichtbare Pläne, Zeitgeber und Übergänge ankündigen. Mehr: Routinen, Struktur und Vorhersehbarkeit im Alltag und Veränderungen und Übergänge gut vorbereiten.

Was wissen wir – was ist noch offen?

Befund (Metaanalyse): Im Gruppendurchschnitt mäßig geringere Testergebnisse zu Exekutivfunktionen bei Menschen im Spektrum, über die Entwicklung relativ stabil. [1]

Einzelstudie (über die Leitlinie): Ein Trainingsprogramm verbesserte Flexibilität und Selbstorganisation. [2, Kap. C.4.2.2]

Offen:

  • Wie sich Testergebnisse auf Alltagsprobleme übertragen, ist in den gelesenen Quellen nicht untersucht.
  • Welche Alltagshilfen nachweislich wirken, ist offen; die Redaktion hat dazu keine Studie gelesen.
  • Die Metaanalyse endet 2016; neuere Arbeiten sind nicht berücksichtigt.
  • Bei ADHS sind Exekutivfunktionen ebenfalls Thema: Autismus und ADHS.

Was du sonst noch wissen solltest

  • Burnout und Erschöpfung können Planen und Anfangen zusätzlich erschweren; siehe Autistisches Burnout.
  • Hilfe holen: Bei starken Alltagsproblemen sind Beratung und Diagnostik sinnvoll; Orientierung: Beratung finden.
  • Nicht dargestellt: Coaching, Apps und Medikamente zur Selbstorganisation.

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Quellen und Literatur

  1. Demetriou EA, Lampit A, Quintana DS, Naismith SL, Song YJC, Pye JE, Hickie I, Guastella AJ. Autism spectrum disorders: a meta-analysis of executive function. Molecular Psychiatry 2018;23(5):1198–1204. https://doi.org/10.1038/mp.2017.75 – Metaanalyse
  2. DGKJP, DGPPN et al. Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 2: Therapie. S3-Leitlinie, AWMF-Reg.-Nr. 028-047, Stand Text 02.05.2021 (Empf. 3; Kap. C.4.2.2, C.4.3.2). – Leitlinie; abgelaufen am 23.03.2026 (siehe Nr. 3)
  3. DGKJP. Aktuelle Leitlinien (Eintrag 028-047: „Gültig bis 23.03.2026“). https://www.dgkjp.de/wissen/aktuelle-leitlinien/ – Fachgesellschaft

Begriffe aus diesem Beitrag

Exekutive Funktionen
Fähigkeiten, mit denen Menschen Handlungen planen, beginnen, im Blick behalten und flexibel anpassen. Bei Menschen im Autismus-Spektrum liegen die Testergebnisse im Durchschnitt mäßig niedriger; das ist ein Gruppendurchschnitt, kein Diagnosekriterium.

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