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Therapien & Unterstützung

Ergotherapie und Logopädie bei Autismus

Für wen? Für Eltern von Kindern im Autismus-Spektrum, die wissen möchten, was Logopädie und Ergotherapie leisten können und was die Leitlinie von 2021 dazu festhielt.

Kurz erklärt

Die Leitlinie beschrieb Sprachförderung bei Autismus nicht als Aufgabe nur einer Berufsgruppe: Sie nannte zuerst umfassende, niederfrequente psychosoziale Therapieverfahren (etwa 2 Stunden pro Woche) mit Elterneinbezug, und hielt konsensbasiert fest, dass Logopäd:innen im Rahmen der Therapie eng eingebunden werden sollen. [1, Empf. 31, Kap. C.5.1] Bei Schwierigkeiten mit Motorik empfahl sie, eine begleitende Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen zu diagnostizieren, wenn die Kriterien erfüllt sind, und gegebenenfalls aufgabenorientiert zu behandeln. [1, Empf. 36] Ergotherapie als Berufsgruppe wird in diesem Zusammenhang nicht ausdrücklich empfohlen; die Leitlinie spricht von Therapieansätzen, nicht von Berufen. Das ist eine Lesart der Redaktion.

Stand der Leitlinie: Dieser Beitrag stützt sich wesentlich auf die S3-Leitlinie Therapie (2021). Ihre Gültigkeit ist laut Übersicht der DGKJP am 23.03.2026 abgelaufen. [2] Die wiedergegebenen Empfehlungen sind nicht automatisch falsch, aber derzeit nicht durch eine gültige Leitlinie gedeckt.

Sprache und Kommunikation: Logopädie

In Deutschland wird Sprachförderung nach der Leitlinie in der Regel primär von Logopäd:innen angeboten. [1, Kap. C.5.1.3] Für Kinder im Klein- und Vorschulalter empfahl sie (Empfehlungsgrad B, evidenzbasiert): zunächst die umfassenden, niederfrequenten psychosozialen Therapieverfahren, die im natürlichen Lernformat unter anderem Eigeninitiative, nonverbale Kommunikation, gemeinsame Aufmerksamkeit, Symbolspiel, Imitation und rezeptive wie expressive Sprache üben. Dabei soll auf Generalisierung in den Alltag geachtet werden; das Setting soll die Arbeit mit dem Kind und die Anleitung der Eltern umfassen (Grad A). [1, Empf. 31]

Kinder, die dabei Schwierigkeiten haben, nonverbale Kommunikation zu erlernen, können zusätzlich mit Bildkarten oder visuellen Symbolen unterstützt werden; diese dienen als Hilfe („Prompt“) und sollen umgehend reduziert werden, sobald das Kind beginnt, mit Lauten und Wörtern zu kommunizieren (Grad C). [1, Empf. 31] Für nicht-sprechende Kinder ab dem späten Grundschulalter, Jugendliche und Erwachsene nannte sie konsensbasiert: Wenn nach korrektem und ausreichend langem Einsatz der genannten Methoden das Sprechen nicht erlernt wird, kann ein Bildkartensystem oder ein Gerät mit Sprachausgabe eingesetzt werden. Diese Hilfen müssen systematisch angeleitet, an den Entwicklungsstand angepasst und von allen Interaktionspartnern gleich beantwortet werden. [1, Empf. 32] Mehr: Unterstützte Kommunikation.

Für pragmatische Sprachprobleme (Gebrauch von Sprache im sozialen Zusammenhang) bei Kindern und Jugendlichen mit altersgemäßer Sprache nannte die Leitlinie die wirksamen gruppenbasierten Verfahren zur Förderung der sozialen Interaktion (Grad A). [1, Empf. 31] Artikulations- und Redeflussstörungen kommen bei Autismus nicht gehäuft vor; sie sollen bei Beeinträchtigung nach den allgemeinen Leitlinien behandelt werden. [1, Empf. 34]

Was nicht eingesetzt werden soll

  • Auditives Integrationstraining und Neurofeedback sollen zur Behandlung von Sprach- und Sprechstörungen bei Autismus nicht eingesetzt werden (Grad A, Evidenzlevel 2). [1, Empf. 33]
  • Medikamente sollten dafür derzeit nicht eingesetzt werden (Grad B). [1, Empf. 33]
  • Gestützte Kommunikation soll nicht zur Förderung von Sprachentwicklung oder Kommunikation eingesetzt werden, da hierfür keine Evidenz besteht. [1, Empf. 35] Mehr: Umstrittene und unseriöse Angebote erkennen.
  • Improvisationsbasierte Musiktherapie sollte nicht zur Sprachförderung eingesetzt werden (Grad B). [1, Empf. 31]

Motorik: aufgabenorientierte Therapie

Schwierigkeiten in Grob- und Feinmotorik sind bei Autismus so häufig, dass sie teils als Teil des Autismus angesehen wurden. Die Leitliniengruppe empfahl dennoch, beide Diagnosen zu stellen, wenn die Kriterien einer umschriebenen Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen erfüllt sind. [1, Kap. C.5.2] Bei erheblicher Beeinträchtigung der Teilhabe, Leidensdruck und Mitwirkung kann eine Therapie nach der Leitlinie zu dieser Störung erfolgen; aufgabenorientierten Ansätzen ist dabei der Vorzug zu geben. [1, Empf. 36] Die Leitlinie begründete das damit, dass es für aufgabenorientierte Ansätze mehr Evidenz gebe als für körperfunktionsorientierte. [1, Kap. C.5.2] Eigene Studien zur Behandlung der Motorik bei Autismus fand die Leitlinie über die Quell-Leitlinien hinaus nicht. [1, Kap. C.5.2.2]

Sensorik

Zur sensorischen Integrationstherapie nennt die Leitlinie eine kleine Pilotstudie, in der individuelle Therapieziele besser erreicht wurden, sensorische Verhaltensweisen aber nicht deutlich besser wurden. [1, Kap. C.4.3.2] Für das Ziel soziale Interaktion und Kommunikation nannte sie die sensorische Integrationstherapie nach Ayres unter den Verfahren, die nicht eingesetzt werden sollen [1, Empf. 12]. Für das Ziel Reaktion auf Sinnesreize sprach sie keine Empfehlung dafür aus; Therapien jenseits der genannten Ansätze „können aktuell nicht empfohlen werden“. [1, Empf. 30] Mehr: Reizüberflutung erkennen und vorbeugen.

Was wissen wir – was ist noch offen?

Evidenzbasierte Empfehlungen (Leitlinie von 2021, abgelaufen)

  • Niederfrequente umfassende Therapie mit Elternanleitung zur Sprachförderung im Vorschulalter (Grad B/A). [1, Empf. 31]
  • Auditives Integrationstraining und Neurofeedback nicht einsetzen (Grad A). [1, Empf. 33]

Konsensbasierte Empfehlungen (Expertenkonsens)

  • Enge Einbindung von Logopäd:innen; Bildkarten oder Sprachausgabegeräte bei nicht-sprechenden Personen; keine gestützte Kommunikation; aufgabenorientierte Motoriktherapie bei erheblicher Beeinträchtigung. [1, Empf. 32, 35, 36, Kap. C.5.1]

Offen

  • Zur Behandlung der Motorik bei Autismus gab es kaum eigene Studien; die Leitlinie sah weiteren Untersuchungsbedarf. [1, Kap. C.5.2.3]
  • Für Erwachsene und für Menschen mit minimaler Sprache lagen keine zusätzlichen kontrollierten Studien vor. [1, Kap. C.5.1.2]
  • Wie sich Ergotherapie und Logopädie im Alltag konkret ergänzen, ist in den gelesenen Quellen nicht beschrieben.

Was du sonst noch wissen solltest

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Quellen und Literatur

  1. DGKJP, DGPPN et al. Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 2: Therapie. S3-Leitlinie, AWMF-Reg.-Nr. 028-047, Stand Text 02.05.2021 (Empf. 30–36; Kap. C.4.3.2, C.5.1–C.5.2). – Leitlinie; abgelaufen am 23.03.2026 (siehe Nr. 2)
  2. DGKJP. Aktuelle Leitlinien (Eintrag 028-047: „Gültig bis 23.03.2026“). https://www.dgkjp.de/wissen/aktuelle-leitlinien/ – Fachgesellschaft

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