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Autismus verstehen

Reizverarbeitung: Wahrnehmung anders erleben

Für wen? Für alle, die verstehen möchten, warum Menschen mit Autismus Sinnesreize oft anders erleben – und was daraus für den Alltag folgt.

Kurz erklärt

Bei manchen Menschen im Autismus-Spektrum zeigt sich, dass sie Reize wie Geräusche, Licht, Gerüche oder Berührungen anders wahrnehmen. Fachlich spricht man von einer Über- oder Unterreaktion auf Sinnesreize (Hyper- oder Hyporeaktivität) oder von einem ungewöhnlichen Interesse an Reizen aus der Umgebung. In den DSM-5-Kriterien ist das eines von vier möglichen Merkmalen in einem der beiden Kernbereiche. Nicht jeder Mensch im Spektrum hat solche Besonderheiten. [1] Zu viele Reize können laut einem britischen NHS-Trust zu Überlastung beitragen. [5]

Zu viel, zu wenig, besonders interessant

Laut der Wiedergabe in einer Fachübersicht nennt das deutsche DSM-5 (amerikanisches Diagnosehandbuch) als mögliches Merkmal eine Hyper- oder Hyporeaktivität auf Sinnesreize oder ein ungewöhnliches Interesse an Umweltreizen. Es ist eines von vier möglichen Merkmalen im Bereich der wiederholenden, eingeschränkten Verhaltensweisen. Mindestens zwei der vier müssen für die Diagnose zutreffen. [1]

Beispiele der Redaktion (keine Studienbefunde):

  • Überempfindlichkeit (Hyperreaktivität): Ein Staubsauger, das Summen einer Leuchte oder ein kratzendes Etikett werden als kaum aushaltbar erlebt.
  • Unterempfindlichkeit (Hyporeaktivität): Bestimmte Reize werden kaum bemerkt.
  • Besonderes Interesse an Reizen: zum Beispiel an Lichtreflexen, Mustern, bestimmten Oberflächen oder Geräuschen.

Ob und wie stark jemand Reize anders erlebt, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Wie sich das im Alltag zeigen kann

Mögliche Beispiele (Beispiele der Redaktion, keine Studienbefunde):

  • Supermärkte, Kantinen oder Klassenzimmer werden als laut, grell und anstrengend erlebt.
  • Bestimmte Kleidung oder Lebensmittel werden wegen ihrer Beschaffenheit gemieden.
  • Kopfhörer, Sonnenbrille oder ein Rückzugsort machen Situationen erst möglich.
  • Wiederholte Bewegungen oder Geräusche („Stimming“) können helfen, sich zu regulieren. Siehe Stimming.

Wenn Reize zu viel werden

Wenn sensorische und andere Belastungen zu viel werden, kann es zu Überlastung kommen. Die Open University und ein britischer NHS-Trust beschreiben dann einen Meltdown, eine sehr intensive Reaktion außerhalb der Kontrolle der Person, oder einen Shutdown, ein „Einfrieren“ oder „Abschalten“. [4; 5] Mehr dazu in Overload, Meltdown und Shutdown und Reizüberflutung erkennen und vorbeugen.

Was Umgebung und Umfeld tun können

Die S3-Leitlinie von 2021 empfahl, starke Sinnesreize wie Lärm, Gerüche oder grelles Licht zu vermeiden, und zwar abgestimmt auf die einzelne Person. Das stand in einer konsensbasierten Empfehlung zum alltäglichen Umgang mit Menschen mit Autismus. [2, Empf. 3] Diese Leitlinie ist seit dem 23.03.2026 abgelaufen. [3] Dabei gilt: nachfragen statt vermuten. Was ist für diese Person angenehm, was belastend? Konkrete Strategien für den Alltag beschreibt der Artikel Reizüberflutung erkennen und vorbeugen.

Häufige Fragen

Was bedeutet Reizverarbeitung bei Autismus? Bei manchen Menschen im Autismus-Spektrum zeigt sich eine Über- oder Unterreaktion auf Sinnesreize oder ein ungewöhnliches Interesse an Reizen aus der Umgebung. In den DSM-5-Kriterien ist das eines von vier möglichen Merkmalen. Nicht jeder Mensch im Spektrum hat solche Besonderheiten. [1]

Warum sind Geräusche oder Licht für Menschen mit Autismus so belastend? Zu viele Reize können nach einem britischen NHS-Trust zu Überlastung beitragen. [5] Warum das bei manchen so ist, erklären die gelesenen Quellen nicht.

Was passiert bei Reizüberflutung? Wenn Belastungen zu viel werden, kann es zu einem Meltdown oder Shutdown kommen. [4; 5] Mehr: Reizüberflutung erkennen und vorbeugen und Overload, Meltdown und Shutdown.

Was hilft bei Reizempfindlichkeit? Die Leitlinie von 2021 empfahl, starke Sinnesreize wie Lärm, Gerüche oder grelles Licht abgestimmt auf die einzelne Person zu vermeiden. Die Leitlinie ist abgelaufen. [2, Empf. 3; 3]

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Quellen und Literatur

  1. Höhne E, Kamp-Becker I. Diagnostik der Autismus-Spektrum-Störung. Pädiatrie 2024;(4+5):27–32 (Wiedergabe der DSM-5-Kriterien). – Fachübersicht
  2. DGKJP, DGPPN et al. S3-Leitlinie Autismus-Spektrum-Störungen, Teil 2: Therapie. AWMF 028-047, 2021 (Empf. 3). – Leitlinie; abgelaufen am 23.03.2026 (siehe Nr. 3)
  3. DGKJP. Aktuelle Leitlinien (Eintrag 028-047: „Gültig bis 23.03.2026“). https://www.dgkjp.de/wissen/aktuelle-leitlinien/ – Fachgesellschaft
  4. The Open University (OpenLearn): Why an autistic meltdown or shutdown is not a ‘tantrum’. Aktualisiert 28.02.2025. – Bildungseinrichtung
  5. Leicestershire Partnership NHS Trust, Autism Space: What are autistic meltdowns and shutdowns? – Gesundheitsdienst (NHS)

Begriffe aus diesem Beitrag

Reizverarbeitung
Besonderheiten bei der Wahrnehmung von Reizen wie Geräuschen, Licht, Gerüchen oder Berührungen: Über- oder Unterreaktion (Hyper- oder Hyporeaktivität) oder ungewöhnliches Interesse an Reizen.

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