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Eltern & Familie

Eltern-Kind-Interaktion: Was Programme zeigten

Für wen? Für Eltern von Kindern im Alter von etwa 2 bis 5 Jahren mit Autismus oder Verdacht darauf sowie für Fachkräfte. Es geht darum, was Programme zeigten, in denen Eltern angeleitet werden, mit dem Kind zu spielen und zu kommunizieren.

Kurz erklärt

In elternvermittelten Programmen lernen Eltern von Fachleuten, wie sie im Alltag mit dem Kind spielen und Kommunikation fördern, zum Beispiel indem sie auf die Interessen des Kindes eingehen und auf seine Signale antworten. Ein Beispiel ist das britische PACT für Kinder von 2 bis 5 Jahren (zweistündige Eltern-Kind-Sitzungen mit Videorückmeldung). [2, Kap. C.4.2]

In den von der Leitlinie ausgewerteten Studien veränderte sich vor allem das Verhalten der Eltern (mehr Abstimmung auf das Kind) und teils die Initiative des Kindes zur Kommunikation. Für Sprachfertigkeiten und Merkmale von Autismus fanden sich direkt nach der Therapie meist keine Effekte, in einer Langzeitstudie später doch. [2, Kap. C.4.2, S. 57–58] Die Leitlinie betonte: Eltern sollen angeleitet werden, ohne selbst zu Therapeut:innen zu werden. [2, Empf. 106]

Stand der Leitlinie: Dieser Beitrag nutzt die S3-Leitlinie Therapie (2021). Sie ist seit dem 23.03.2026 abgelaufen. [1] Die Aussagen sind nicht automatisch falsch, aber nicht durch eine gültige Leitlinie gedeckt.

Was Eltern in solchen Programmen lernen

Im PACT-Programm wurden Eltern in der Eltern-Kind-Interaktion angeleitet: Sie lernten, sensibel auf kindliche Kommunikation zu antworten, ungünstige Reaktionen zu verringern und Strategien einzusetzen, die die Kommunikation des Kindes fördern. Dazu gehörten Videorückmeldung und Psychoedukation. [2, Kap. C.4.2, S. 54] Verwandte Programme nutzen ähnliche Bausteine, etwa gemeinsame Aufmerksamkeit (beide schauen gemeinsam auf etwas), Nachahmung und Spiel. [2, Kap. C.4.2] Mehr zu Frühförderung und Alltagsgestaltung: Frühförderung bei Autismus, Familienalltag mit einem Kind im Autismus-Spektrum.

Elternprogramme in der Leitlinie von 2021

Die Leitlinie hielt fest: Eltern oder Sorgeberechtigte sollen in die therapeutischen Interventionen einbezogen werden; im Vorschulalter sollen sie systematisch im fördernden Umgang mit dem Kind angeleitet werden, ohne selbst zu Therapeut:innen zu werden. Nach der Diagnose soll allen Eltern eine Psychoedukation angeboten werden, einzeln oder in der Gruppe. Geschwistern sollten Unterstützung und Psychoedukation angeboten werden. [2, Empf. 106]

Für die Therapie im Klein- und Vorschulalter empfahl sie eine Kombination aus Übungen mit dem Kind und Anleitung der Eltern. Ein ausschließliches Elterntraining ohne das Kind reichte aus ihrer Sicht nicht. Wird überwiegend zu Hause geübt, sollte es regelmäßige Rückmeldung durch geschulte Therapeut:innen geben, am besten per Video. Außerdem sollte auf die Belastung der Eltern durch die Therapie geachtet werden. [2, Empf. 10, 12]

Was Studien zeigten

Die Leitlinie fasste Studien zu individuellen Elterntrainings zusammen (unter anderem PACT, ein Programm in Südasien, ein Spielprogramm, „Fokussierte Spielzeit“). Danach nahm die elterliche Abstimmung auf das Kind deutlich zu (bei PACT mit einer großen Effektgröße von d = 1,22), und einzelne Programme verbesserten die Initiative des Kindes zur Kommunikation (bei PACT d = 0,42). Dagegen verbesserten sich verblindet getestete Sprachfertigkeiten und die soziale Interaktion nach ADOS direkt nach der Therapie bei den meisten Programmen nicht. [2, Kap. C.4.2, S. 57–58]

Nur für PACT lag eine Langzeituntersuchung vor (80 % der Kinder im Alter von im Mittel 10,5 Jahren): Hier zeigte sich ein mittlerer Effekt auf die ADOS-Werte zu sozialer Interaktion und Kommunikation (d = 0,55). Etwa 70 % des Effekts auf die Initiative des Kindes ließen sich laut Auswertung durch die gestiegene elterliche Abstimmung erklären. [2, Kap. C.4.2, S. 58] Eine Meta-Analyse von 16 randomisierten Studien zu Programmen, die gemeinsame Aufmerksamkeit üben (Kinder von 18 Monaten bis 8 Jahren), zeigte durchweg mittlere Effekte auf die gemeinsame Aufmerksamkeit. [2, Kap. C.4.2, S. 63]

Belastung und Grenzen

Programme, die Eltern stark einbinden, bedeuten Zeit und Anstrengung. Die Leitlinie nannte als Planungsgesichtspunkte die elterliche Belastung, die Fertigkeiten der Eltern bei der Umsetzung und einen positiven Umgang mit dem Kind. [2, Empf. 10] Wie belastend Therapie, Alltag und Behördenwege sein können und welche Entlastung es gibt: Selbstfürsorge für Eltern und Angehörige, Entlastung für Familien: Angebote im Überblick. Wenn du dich überfordert fühlst, ist das kein Zeichen, etwas falsch zu machen; sprich es mit der Therapeutin oder dem Therapeuten an. Hinweis: Das ist eine Einschätzung der Redaktion.

Was wissen wir – was ist noch offen?

Studienbasiert (randomisierte Studien, Meta-Analyse): Elternvermittelte Programme veränderten das Elternverhalten und teils die Initiative des Kindes zur Kommunikation; für gemeinsame Aufmerksamkeit gab es mittlere Effekte. [2, Kap. C.4.2]

Konsensbasiert/Leitlinie: Eltern einbeziehen und anleiten, nicht zu Therapeut:innen machen, Psychoedukation anbieten, Belastung beachten. [2, Empf. 106, 10]

Offen:

  • Nur für PACT liegt eine Langzeituntersuchung vor; ob das auf andere Programme übertragbar ist, ist unklar. [2, Kap. C.4.2, S. 58]
  • Direkt nach der Therapie fanden sich bei den meisten Programmen keine Effekte auf verblindet getestete Sprache; welche Effekte im Alltag zählen, ist offen.
  • Die Studien stammten teils aus anderen Ländern und Versorgungssystemen als Deutschland.

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Quellen und Literatur

  1. DGKJP. Aktuelle Leitlinien (Einträge 028-018 „Gültig bis 04.04.2021“ und 028-047 „Gültig bis 23.03.2026“). https://www.dgkjp.de/wissen/aktuelle-leitlinien/ – Fachgesellschaft
  2. DGKJP, DGPPN et al. Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 2: Therapie. S3-Leitlinie, AWMF-Reg.-Nr. 028-047, Stand Text 02.05.2021. – Leitlinie; abgelaufen am 23.03.2026

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