Kurz erklärt
Nach einer Fachübersicht von 2024 weisen etwa zwei Drittel aller Menschen mit Autismus mindestens eine Begleiterkrankung (Komorbidität) auf. Dazu zählen psychische Erkrankungen wie Intelligenzminderung, Aufmerksamkeitsstörungen, Angsterkrankungen und Depressionen, aber auch genetische Erkrankungen, Epilepsie und Stoffwechselerkrankungen. [1] Begleiterkrankungen können den Alltag und die Entwicklung erheblich beeinflussen. Deshalb gilt es als wichtig, sie genau abzuklären und bei Bedarf zu behandeln. [1]
Was „Begleiterkrankung“ bedeutet
Eine Begleiterkrankung (Komorbidität) ist eine weitere Erkrankung oder Störung, die zusätzlich zu Autismus besteht. Sie ist nicht dasselbe wie Autismus selbst, kann aber ähnliche Anzeichen haben oder sich mit ihnen überlagern. [1]
Was dazugehören kann
Die Fachübersicht nennt als Beispiele: [1]
- Psychische Begleiterkrankungen: Intelligenzminderung, Aufmerksamkeitsstörungen, Angsterkrankungen und Depressionen
- Genetische Erkrankungen, zum Beispiel das Fragile-X-Syndrom
- Neurologische Erkrankungen, zum Beispiel Epilepsie
- Stoffwechselerkrankungen, zum Beispiel Phenylketonurie
Das ist eine Auswahl von Beispielen, keine vollständige Liste und keine Aussage darüber, wie oft jede einzelne Erkrankung auftritt.
Warum die Abklärung wichtig ist
Begleiterkrankungen können das Funktionsniveau und den Entwicklungsverlauf erheblich beeinträchtigen und Interventionen behindern. Sie erschweren außerdem die Abgrenzung von Autismus zu anderen Störungen. Die Fachübersicht hält es deshalb für sehr wichtig, Begleiterkrankungen detailliert abzuklären und bei Bedarf, auch medikamentös, zu behandeln. [1] Wie das in der Diagnostik eingebettet ist: Ablauf einer Autismusdiagnostik.
Was die Leitlinie von 2021 behandelte
Die S3-Leitlinie zur Therapie von 2021 enthielt eigene Kapitel zur Behandlung begleitender Störungen. Als Zielsymptome und Begleitstörungen nannte sie unter anderem Sprach- und Sprechstörungen, Störungen der motorischen Entwicklung, Ausscheidungsstörungen, oppositionelles und aggressives Verhalten, ADHS, Angststörungen, Depressionen, Zwangsstörungen, Tic-Störungen, Schlafstörungen, Essstörungen, psychotische und bipolare Störungen, Persönlichkeitsstörungen, Suchterkrankungen sowie Störungen der Impulskontrolle. [2, Kap. C.1] Die Leitlinie ist seit dem 23.03.2026 abgelaufen. [3] Zum Schlaf: Schlafprobleme bei Autismus.
Was du sonst noch wissen solltest
- Nicht jeder Mensch mit Autismus hat Begleiterkrankungen. Etwa zwei Drittel heißt auch: bei einem Teil gibt es keine. [1]
- Wenn dir etwas auffällt, das nicht „zu Autismus passt“ oder sich verändert, sprich mit der Haus- oder Facharztpraxis. Selbst einordnen musst du das nicht.
- Behandlung entscheiden Fachleute mit dir. Medikamente nie auf eigene Faust beginnen, ändern oder absetzen.
Häufige Fragen
Welche Begleiterkrankungen gibt es bei Autismus? Die Fachübersicht nennt als Beispiele Intelligenzminderung, Aufmerksamkeitsstörungen, Angsterkrankungen und Depressionen, genetische Erkrankungen wie das Fragile-X-Syndrom, Epilepsie und Stoffwechselerkrankungen wie Phenylketonurie. Das ist eine Auswahl, keine vollständige Liste. [1]
Wie häufig sind Begleiterkrankungen bei Autismus? Nach der Fachübersicht von 2024 hat etwa zwei Drittel aller Menschen mit Autismus mindestens eine Begleiterkrankung; bei einem Teil gibt es keine. [1]
Warum ist die Abklärung wichtig? Begleiterkrankungen können den Alltag und die Entwicklung erheblich beeinflussen und Interventionen behindern; die Fachübersicht hält es für sehr wichtig, sie genau abzuklären und bei Bedarf zu behandeln. [1]
Gehört ADHS dazu? Aufmerksamkeitsstörungen zählt die Fachübersicht zu den häufigen psychischen Begleiterkrankungen. [1] Mehr: Autismus und ADHS: Abgrenzung und Behandlung.
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Quellen und Literatur
- Höhne E, Kamp-Becker I. Diagnostik der Autismus-Spektrum-Störung. Pädiatrie (Rosenfluh) 2024;(4+5):27–32. https://rosenfluh.ch/media/paediatrie/2024/04-05/Diagnostik-der-Autismus-Spektrum-Stoerung.pdf – Fachübersicht
- DGKJP, DGPPN et al. Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 2: Therapie. S3-Leitlinie, AWMF-Reg.-Nr. 028-047, Stand Text 02.05.2021 (Kap. C.1). – Leitlinie; abgelaufen am 23.03.2026 (siehe Nr. 3)
- DGKJP. Aktuelle Leitlinien (Eintrag 028-047: „Gültig bis 23.03.2026“). https://www.dgkjp.de/wissen/aktuelle-leitlinien/ – Fachgesellschaft
Begriffe aus diesem Beitrag
- Begleiterkrankung
- Eine weitere Erkrankung, die zusätzlich zu Autismus besteht (Komorbidität), zum Beispiel Aufmerksamkeitsstörungen, Angsterkrankungen, Depressionen oder Epilepsie.
- Y-BOCS (Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale)
- Messskala für Zwangssymptome (für Kinder: CY-BOCS). In der S3-Leitlinie von 2021 dient sie als Messinstrument in Studien; sie misst Zwangssymptome, nicht Autismus.
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