Kurz erklärt
Eltern von Kindern mit Autismus erleben oft viel Stress. Eine Studie mit 160 Elternpaaren fand, dass Mütter im Schnitt mehr persönliche Belastung berichteten als Väter; bei beiden hing der Stress vor allem mit Verhaltensproblemen des Kindes nach außen zusammen. [2] Väter kommen in Forschung und Elternprogrammen selten vor: In fünf Studien zu Elterncoaching waren nur zwei Väter vertreten. [1] Väter berichten von Anpassung und Sorge um die Zukunft, aber auch von Freude und neuen Chancen. [3] Die Studienlage ist begrenzt; sie beschreibt Gruppen, nicht einzelne Eltern.
Was die Studie mit 160 Elternpaaren zeigt
Guerrera und Kolleg:innen werteten Daten von 160 Müttern und 160 Vätern (Elternpaare) von Kindern mit Autismus im Alter von 3 bis 15 Jahren aus. Sie verwendeten den Parenting Stress Index, der drei Bereiche misst: persönliche Belastung der Eltern, ein als schwierig erlebtes Kind und gestörte Eltern-Kind-Interaktion. Mütter hatten nur beim Bereich „persönliche Belastung“ höhere Werte als Väter. Bei Müttern hingen Verhaltensprobleme nach außen mit allen drei Bereichen zusammen, bei Vätern nur mit dem „schwierigen Kind“ und der Interaktion; zusätzliche Zusammenhänge zeigten sich bei Müttern mit wiederholten Verhaltensweisen und der Bildung, bei Vätern mit der Denkfähigkeit des Kindes und der Bildung. Die Autor:innen raten, Mütter und Väter als eigene, sich ergänzende Beiträge im Familiensystem zu sehen und Unterstützung auf beide zuzuschneiden. [2]
Wichtig: Die Daten sind rückblickend, die Eltern beurteilten das Verhalten des Kindes gemeinsam, die seelische Gesundheit der Eltern wurde nicht erfasst, und Zusammenhänge sind keine Ursachen. [2]
Väter in Forschung und Förderprogrammen
Rankin und Kolleg:innen fanden in einem systematischen Review, dass Väter von Kindern mit Autismus selten in Forschung und Programme einbezogen werden. Studien deuten darauf hin, dass sie im Schnitt weniger in die Erziehung eingebunden sind als Mütter; hohe Beteiligung beider Eltern könne dem Familiensystem nützen, und Väter könnten Strategien ebenso gut umsetzen wie Mütter. [4]
Donohue und Tynan werteten Elterncoaching-Programme für Kinder unter sechs Jahren aus: Von fünf Studien mit 94 Eltern-Kind-Paaren waren nur zwei Väter vertreten. Die Studien waren von mittlerer Qualität; sie zeigen, dass Coaching auch mit Vätern gelingen kann, sagen aber wenig über Erfahrungen der Väter und Wirkungen auf das Kind. [1] Zu Programmen für Eltern: Eltern-Kind-Interaktion fördern.
Was Väter berichten
Lashewicz und Kolleg:innen fassten sechs hochwertige Studien zu Vätern von Kindern mit Autismus zusammen. Sie fanden drei Themen: Anpassung und Sorge um die Zukunft, die Bedeutung des kulturellen Umfelds und Wertschätzung des eigenen Kindes mit neuen Möglichkeiten. Die Autor:innen schließen daraus, dass es Angebote und Informationen speziell für Väter braucht. Viele der gesichteten Studien hatten theoretische und methodische Mängel. [3]
Was das für Familien bedeutet
Die Studien beschreiben Durchschnittswerte und Muster; sie sagen nicht, wie es in deiner Familie ist. Mütter wie Väter können stark belastet sein, unabhängig davon, wer welche Aufgaben übernimmt. Aus den Quellen lässt sich ableiten: Unterstützung sollte beide Eltern ansprechen, Verhaltensprobleme des Kindes sind ein zentraler Belastungsfaktor, und Beratungsangebote sollten Väter ausdrücklich einladen. [2] [1] Als Redaktionshinweis (nicht belegt): Es kann helfen, Aufgaben und Auszeiten offen zu besprechen und gemeinsam Entlastung zu planen. Weiterführend: Belastung und Partnerschaft der Eltern, Selbstfürsorge für Eltern und Angehörige und Entlastung für Familien: Angebote im Überblick.
Was wissen wir – was ist noch offen?
Was wir wissen: Mütter berichten im Durchschnitt mehr persönliche Belastung als Väter; bei beiden spielen Verhaltensprobleme des Kindes eine große Rolle. [2] Väter sind in Forschung und Programmen unterrepräsentiert. [4] [1]
Offen:
- Ursachen der Unterschiede: Die Studie ist rückblickend und enthält keine Angaben zu seelischer Gesundheit und Betreuungsumfang. [2]
- Welche Unterstützung Vätern konkret hilft: Es gibt kaum Studien dazu. [1] [4]
- Familien ohne klassische Mutter-Vater-Rollenverteilung (zum Beispiel Alleinerziehende, gleichgeschlechtliche Eltern) kommen in den gelesenen Quellen nicht vor.
- Die Ergebnisse stammen aus verschiedenen Ländern; Übertragbarkeit auf Deutschland nicht geprüft.
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- Belastung und Partnerschaft der Eltern
- Selbstfürsorge für Eltern und Angehörige
- Entlastung für Familien: Angebote im Überblick
- Eltern-Kind-Interaktion fördern
Quellen und Literatur
- Donohue C, Tynan F: The Inclusion of Fathers in Parent Coaching Interventions for Young Autistic Children: A Systematic Review. Journal of Autism and Developmental Disorders 2025;56(9):3421-3437. https://doi.org/10.1007/s10803-025-06820-0 (frei lesbar, CC BY; online 10.04.2025) – Systematischer Review (5 Studien)
- Guerrera S, Fucà E, Parisi M, Vicari S: Understanding parenting stress in autism spectrum disorder: a cross-sectional study exploring differences between mothers and fathers. Frontiers in Psychology 2026;17:1947791. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2026.1947791 (frei lesbar, CC BY; online 18.09.2026) – Querschnittstudie (160 Elternpaare)
- Lashewicz BM, Shipton L, Lien K: Meta-synthesis of fathers’ experiences raising children on the autism spectrum. Journal of Intellectual Disabilities 2019;23(1):117-131. https://doi.org/10.1177/1744629517719347 – Meta-Synthese qualitativer Studien (6 Studien)
- Rankin JA, Paisley CA, Tomeny TS, Eldred SW: Fathers of Youth with Autism Spectrum Disorder: A Systematic Review of the Impact of Fathers’ Involvement on Youth, Families, and Intervention. Clinical Child and Family Psychology Review 2019;22(4):458-477. https://doi.org/10.1007/s10567-019-00294-0 – Systematischer Review
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