Kurz erklärt
Die S3-Leitlinie von 2021 zählte die Strukturierung der Umgebung und von Handlungsabläufen (zum Beispiel durch visuelle Mittel, Vorhersehbarkeit und personelle Konstanz) zu den Aspekten, die im alltäglichen Umgang mit Menschen mit Autismus hilfreich sind. [1, Empf. 3] Das war eine konsensbasierte Empfehlung (Expertenkonsens), keine Aussage aus einer Wirksamkeitsstudie. Visualisierte Tagesstruktur nannte sie auch für Kindergarten und betreutes Wohnen; für die Arbeit nannte sie einen gut strukturierten Arbeitsplatz. [1, Empf. 109, 114, 117] Die Leitlinie ist seit dem 23.03.2026 abgelaufen. [2]
Stand der Leitlinie: Dieser Beitrag nutzt die S3-Leitlinie Therapie (2021). Sie ist seit dem 23.03.2026 abgelaufen. [2] Die Aussagen sind nicht automatisch falsch, aber nicht durch eine gültige Leitlinie gedeckt.
Grundsätze der Leitlinie
Hilfreich im Umgang sind laut Leitlinie unter anderem: nonverbale Kontaktaufnahme, konkrete und direkte Ansprache passend zum Entwicklungsalter, Strukturierung von Umgebung und Abläufen, Wahrung körperlicher Distanz und das Vermeiden starker sensorischer Reize. Außerdem sollte eine Diskrepanz zwischen kognitiven und sozialen beziehungsweise alltagspraktischen Fertigkeiten berücksichtigt und Über- wie Unterforderung vermieden werden. [1, Empf. 3]
In Kita und Schule
Für den Kindergarten nannte die Leitlinie klar formulierte Handlungsanleitungen, eine visualisierte Tagesstruktur und kleinschrittige Anleitung, bei Bedarf einen reizarmen Extraraum und Gehörschutz. In der Schule: vereinfachte Arbeitsanleitungen, Arbeitsblätter und Aufgabenstellungen sowie individuelle Nachteilsausgleiche. [1, Empf. 109] Mehr: Autismus in der Kita: Hinweise für Fachkräfte und Schüler:innen mit Autismus im Unterricht.
In Arbeit und Wohnen
- Arbeit (im Abschnitt der Leitlinie für Menschen ohne Intelligenzminderung, die keine Ausbildung auf dem freien Arbeitsmarkt erhalten): gleichbleibender Arbeitsplatz, gleichbleibende Abläufe und Arbeitszeiten, gut strukturierter Arbeitsplatz, Pausen zur Regeneration. [1, Empf. 114] Mehr: Mitarbeitende mit Autismus: Hinweise für Arbeitgeber.
- Wohnen: Alltagsstruktur und personelle Kontinuität, gegebenenfalls Anleitung durch strukturierte Programme mit individuellen Wahlmöglichkeiten, die visualisiert vermittelt werden. [1, Empf. 117]
Prompts und Hilfen wieder abbauen
Für Therapie im Vorschulalter nannte die Leitlinie, Aufforderungen („Prompting“) und Verstärker differenziert einzusetzen und schnell wieder auszuschleichen. [1, Empf. 10] Auch für Schulbegleitung gilt: Die Selbstständigkeit des Kindes soll immer gefördert werden. [1, Empf. 109] Übertragen auf visuelle Hilfen heißt das (Anregung der Redaktion): prüfen, ob ein Plan noch gebraucht wird oder ob er vereinfacht werden kann, und die Person selbst beteiligen.
Was wir über die Wirksamkeit wissen
- Die Empfehlung zu Struktur und Visualisierung beruht auf Expertenkonsens. Die Leitlinie nannte keine Studie, die die Wirkung visueller Pläne bei Menschen mit Autismus geprüft hätte. [1, Empf. 3]
- Die Leitlinie nannte reine Strukturierungsmaßnahmen ohne spezielles Training interaktiver, kommunikativer und alltagspraktischer Fertigkeiten bei Kleinkindern bis Grundschulkindern unter den Verfahren, die für das Ziel „soziale Interaktion“ nicht eingesetzt werden sollen. [1, Empf. 12] Für ein niedrigfrequentes Elternprogramm im Vorschulalter, das auf dem TEACCH-Ansatz beruht (in der Leitlinie als FITT bezeichnet), berichtete sie keinen Effekt auf verblindet erhobene Maße sozialer Interaktion. [1, Kap. C.4.2.2] Das bedeutet nicht, dass Struktur im Alltag wertlos ist, sondern dass sie nicht als Ersatz für gezielte Förderung gilt.
- Für Beschäftigung berichtete die Leitlinie aus einer Studie mit 50 Personen, dass Unterstützung durch ein Tablet (iPod Touch) Job-Coach-Stunden verringerte, ohne dass die Leistung sank. Die Studie ist nicht von der Redaktion geprüft. [1, Kap. C.10.3.2]
Was du sonst noch wissen solltest
- Individuell prüfen: Nicht jeder Mensch im Spektrum braucht oder mag visuelle Pläne. Die Wünsche der Person sollen regelmäßig erfragt werden. [1, Empf. 4]
- Alltagsstruktur im Detail: Routinen, Struktur und Vorhersehbarkeit im Alltag.
Das könnte dich auch interessieren
- Routinen, Struktur und Vorhersehbarkeit im Alltag
- Schüler:innen mit Autismus im Unterricht
- Unterstützte Kommunikation
- TEACCH und strukturierte Förderung
Quellen und Literatur
- DGKJP, DGPPN et al. Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 2: Therapie. S3-Leitlinie, AWMF-Reg.-Nr. 028-047, Stand Text 02.05.2021 (Empf. 3, 4, 10, 109, 114, 117; Kap. C.4.2.2, C.10.3.2). – Leitlinie; abgelaufen am 23.03.2026 (siehe Nr. 2)
- DGKJP. Aktuelle Leitlinien (Eintrag 028-047: „Gültig bis 23.03.2026“). https://www.dgkjp.de/wissen/aktuelle-leitlinien/ – Fachgesellschaft
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