Kurz erklärt
Wenn Kinder mit Autismus nicht ausreichend sprechen lernen, können nach der S3-Leitlinie von 2021 Bildkarten oder visuelle Symbole, die mit sprachlichen Lauten kombiniert werden, den Aufbau von Kommunikation unterstützen. [1, Empf. 31] Bei nicht sprechenden Menschen ab dem späten Grundschulalter kann ein Bildkartensystem oder ein Gerät mit Sprachausgabe über visuelle Symbole eingesetzt werden. [1, Empf. 32] Von der sogenannten „Gestützten Kommunikation“ riet die Leitlinie ab, weil dafür keine Evidenz besteht. [1, Empf. 35] Die Leitlinie ist seit dem 23.03.2026 abgelaufen. [2]
Stand der Leitlinie: Dieser Beitrag nutzt die S3-Leitlinie Therapie (2021). Sie ist seit dem 23.03.2026 abgelaufen. [2] Die Aussagen sind nicht automatisch falsch, aber nicht durch eine gültige Leitlinie gedeckt.
Bildkarten und visuelle Symbole bei Kindern
Im Kleinkind- und Vorschulalter sollten nach der Leitlinie zur Sprachförderung zunächst umfassende, niederfrequente psychosoziale Therapien eingesetzt werden, die im natürlichen Lernformat zum Beispiel die Eigeninitiative, nonverbale Kommunikation (bringen, deuten, zeigen) und gemeinsame Aufmerksamkeit üben. Die Eltern sollten dabei intensiv einbezogen und angeleitet werden. [1, Empf. 31] Kinder, die dabei Schwierigkeiten haben und keine ausreichenden sprachlichen Fortschritte machen, können zusätzlich mit Bildkarten oder visuellen Symbolen gefördert werden, die mit sprachlichen Lauten kombiniert werden (auch computerbasiert oder mit Sprachausgabegeräten). Das muss häufig und unter direkter Anleitung mit verschiedenen Interaktionspartnern geübt werden. Die Bildkarten dienen als Unterstützung und sollen reduziert werden, sobald das Kind beginnt, über Laute und Wörter zu kommunizieren. [1, Empf. 31] Das ist eine schwache Empfehlung (Empfehlungsgrad C): Sie sagt, dass es möglich ist, nicht dass es immer nötig ist. Bei Kindern im frühen Grundschulalter können die Methoden weiter angewendet werden; werden Bildkarten eingesetzt, sollte gleichzeitig weiter versucht werden, verbale Äußerungen anzuregen. [1, Empf. 31]
Nicht sprechende Jugendliche und Erwachsene
Für nicht sprechende Kinder ab dem späten Grundschulalter, Jugendliche und Erwachsene stellte die Leitlinie fest, dass die Studienlage nicht für eine evidenzbasierte Empfehlung ausreicht; es gibt eine konsensbasierte Empfehlung. [1, Empf. 31] Danach kann ein Bildkartensystem oder ein Gerät, das über visuelle Symbole Sprache ausgibt, eingesetzt werden, wenn nach ausreichend langem Einsatz anderer Methoden kein Sprechen entsteht. Dabei ist zu beachten: [1, Empf. 32]
- Die Geräte müssen zum kognitiven Entwicklungsstand passen und dürfen nicht durch ihre Komplexität überfordern.
- Die Person muss im kommunikativen Einsatz systematisch angeleitet werden; die spontane Äußerung soll im Vordergrund stehen.
- Es sollte regelmäßig überprüft werden, ob die Person die Symbole passend auswählt.
- Alle Interaktionspartner (zum Beispiel Lehrkräfte, Eltern, Geschwister) sollen gleich auf Bildkarten und Geräte reagieren, damit die Person gleichbleibende Erfolge erlebt.
Gebärden
Bei Kindern, die weder verbale Sprache erwerben noch mit Bildkarten kommunizieren lernen, kann nach der Leitlinie der Einsatz individueller Gebärden sinnvoll sein, um zumindest eine basale Teilhabe zu ermöglichen. Die generelle Einführung einer systematisierten Gebärdensprache wie der Deutschen Gebärdensprache bezeichnete die Leitlinie dagegen als wenig erfolgversprechend; sie begrenze eher die Teilhabemöglichkeiten. [1, Empf. 32]
Was die Leitlinie nicht empfahl
- Gestützte Kommunikation. Die sogenannte „Gestützte Kommunikation“ soll nach der Leitlinie nicht zur Förderung von Sprachentwicklung oder Kommunikation bei Menschen mit Autismus eingesetzt werden, da hierfür keine Evidenz besteht (konsensbasiert, Konsens). [1, Empf. 35]
- Auditives Integrationstraining und Neurofeedback sollen zur Behandlung von Sprach- und Sprechstörungen nicht eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A). Medikamente sollten dafür derzeit nicht eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B). [1, Empf. 33]
Was du sonst noch wissen solltest
- Unterstützte Kommunikation soll Sprechen nicht „ersetzen müssen“. Die Leitlinie beschrieb Bildkarten als Unterstützung, die bei beginnender Lautsprache reduziert wird. [1, Empf. 31]
- Alle ziehen am selben Strang. Einheitliche Reaktionen aller Bezugspersonen sind nach der Leitlinie wichtig. [1, Empf. 32]
- Hilfsmittel und Kostenübernahme sind in diesem Beitrag nicht dargestellt. Fragen dazu klärt eine Beratung: Beratung finden.
- Unseriöse Angebote erkennst du hier: Unseriöse Angebote erkennen.
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Quellen und Literatur
- DGKJP, DGPPN et al. Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 2: Therapie. S3-Leitlinie, AWMF-Reg.-Nr. 028-047, Stand Text 02.05.2021 (Empf. 31, 32, 33, 35). – Leitlinie; abgelaufen am 23.03.2026 (siehe Nr. 2)
- DGKJP. Aktuelle Leitlinien (Eintrag 028-047: „Gültig bis 23.03.2026“). https://www.dgkjp.de/wissen/aktuelle-leitlinien/ – Fachgesellschaft
Begriffe aus diesem Beitrag
- Unterstützte Kommunikation
- Hilfsmittel und Methoden, die Kommunikation unterstützen, wenn Sprechen nicht ausreicht, zum Beispiel Bildkarten, visuelle Symbole, Geräte mit Sprachausgabe oder Gebärden.
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