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Alltag gestalten

Zahnarztbesuch und Zahngesundheit

Für wen? Für Eltern und Erwachsene im Autismus-Spektrum, die Zahnpflege und Zahnarztbesuche planen, und für Zahnarztpraxen und Fachkräfte.

Kurz erklärt

Kinder mit Autismus haben nach Übersichtsarbeiten oft ein höheres Risiko für Zahnerkrankungen und einen hohen Bedarf, der nicht gedeckt wird. [2] Als Hürden werden Kosten und Erreichbarkeit, Sinnesempfindlichkeit, Kommunikation, die Praxisumgebung und mangelndes Wissen in Praxen genannt. [2] [3] Hilfen mit Bildern und vor allem Videos sowie die Einbeziehung der Eltern verbesserten in Studien die Zahnpflege und die Zusammenarbeit beim Zahnarzt. [5] [1] Die Belege sind uneinheitlich; sie ersetzen keine individuelle Beratung durch die Zahnarztpraxis.

Warum es oft schwierig wird

Ein systematischer Review mit 59 Studien aus Ländern mit hohem Entwicklungsstand fasste Einflussfaktoren auf Mundgesundheitsverhalten, Zugang und Behandlung bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus in neun Themen zusammen: Kosten und Erreichbarkeit, autismusbezogene Faktoren (zum Beispiel Kommunikation, Sinnesempfindlichkeit, Motorik), die Praxisumgebung, der Umgang mit Verhalten, Anpassung an die Bedürfnisse von Kind und Eltern, Haltung des Praxisteams, Wissen über Unterstützung, Stärkung der Eltern und Zusammenarbeit sowie Kommunikation und Vertrauensaufbau. [2] Eine Übersichtsarbeit mit 16 Artikeln nennt fünf Gruppen von Hürden: Zugang zu geeigneter Versorgung, negative frühere Erfahrungen, Elternsicht auf die Folgen von Autismus, Vorurteile in der Praxis und mangelnde Ausbildung der Zahnärzt:innen. [3]

Praxisumgebung und Verhalten

Licht, Geräusche, Geschmäcker, Gerüche, die Bewegung des Behandlungsstuhls und die Nähe der Zahnärztin oder des Zahnarztes können einen Besuch unangenehm machen. Zehn Studien nennen Wartezimmer und Praxisräume als Hürde; in einer britischen Studie sagten 78,5 % der Eltern, dass langes Warten das Verhalten ihres Kindes beim Zahnarzt beeinflusst. Eltern schlugen kindgerechte Wartebereiche mit Spielen oder kleinen Rückzugsräumen vor. [2]

Schwierigkeiten mit der Mitarbeit gehörten zu den am häufigsten genannten Hürden. In einer US-Studie hatten Kinder mit Autismus und mehr Verhaltensschwierigkeiten höhere Chancen auf ungedeckten Zahnbedarf als Kinder mit Autismus ohne solche Schwierigkeiten (Chancenverhältnis 3,35; Konfidenzbereich 1,69–6,67). Das zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache. [2]

Anpassungen, die Eltern und Praxen nennen

Der Review nennt, was Eltern und Zahnärzt:innen als hilfreich beschreiben: Termine so legen, dass Wartezeit kurz bleibt, vorab telefonisch Bescheid geben und direkt ins Behandlungszimmer gehen können, Sinnesstrategien, Bildhilfen für die Verständigung, Belohnungen und die Begleitung durch die Eltern. Wichtig seien auch gleichbleibende Ansprechpersonen, besonders für Kinder, denen Veränderungen schwerfallen. [2]

Eltern wünschen sich, dass die Praxis vorab fragt, wie der Besuch für ihr Kind gut verlaufen kann. Manche fühlen sich nicht ermutigt, Bedürfnisse zu äußern, oder erleben sich als kritisiert, weil sie ihr Kind angeblich nicht genug „im Griff“ haben oder wegen des Zustands der Zähne. In 14 Studien berichteten Eltern, es sei schwer, eine „geeignete“ Zahnarztpraxis zu finden. [2] Mehr zu Kommunikation mit Praxen: Arztpraxis und Klinik: Kommunikation anpassen.

Was in Studien half: Bilder, Videos, Elternschulung

Ein systematischer Review mit Metaanalyse über 23 Studien zu visueller Pädagogik (Bildmaterial, Bildgeschichten, Videos) fand eine einheitliche Tendenz zu besserer Zahnpflege und besserer Zusammenarbeit beim Zahnarzt; wegen großer Unterschiede zwischen den Studien sind die Belege aber nicht schlüssig. [1]

Eine neuere Metaanalyse über 27 Studien mit 1.918 Teilnehmenden unterschied Schulungsansätze (Bilder, Videos, mündlich, Broschüren) und Vorgehen in der Praxis. Es zeigten sich Verbesserungen bei Plaque (standardisierte Mittelwertdifferenz −0,73), Mundhygiene-Index (−1,44) und Zahnfleisch (−0,74); Videos waren besonders wirksam für Plaque. Die Autor:innen empfehlen, Videos zu herkömmlichen Methoden zu ergänzen, und sehen in der Beteiligung der Eltern einen Verstärker. [5] Der Konfidenzbereich beim Mundhygiene-Index war sehr breit; die Zahlen zeigen eine Richtung, keine genaue Größe.

Wie Eltern die Folgen erleben

Ein Scoping Review mit 23 Studien fand, dass Eltern die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität ihrer Kinder mit Autismus oft schlechter einschätzen als Eltern von Kindern ohne Autismus; Vorbeugung und eine umfassende Zahnsanierung in Vollnarkose gingen mit Verbesserungen einher. Eltern berichteten zusätzliche Belastung durch Zähneputzen, Zahnarzttermine und finanzielle Sorgen. [4] Die Einschätzung beruht auf Elternangaben und überwiegend auf Querschnittsstudien, zehn der 23 Studien stammten aus Brasilien. [4]

Was du praktisch tun kannst

Aus den Studien lassen sich keine festen Handlungsschritte ableiten, aber diese Anregungen: Bilder oder Videos zu Zahnputzen und Zahnarztbesuch nutzen, die Praxis vorab informieren, welche Bedürfnisse (Sinnesreize, Wartezeit, Ablauf) bestehen, und nach festen Ansprechpersonen und kurzen Wartezeiten fragen. [2] [5] Als Redaktionshinweis (kein Studienbefund): Eine kurze Besichtigung der Praxis vorab, feste Termine zur Vorsorge und eingeplante Pausen können helfen. Zur allgemeinen Vorbereitung von Arztbesuchen: Arztbesuche und Krankenhaus gut vorbereiten.

Was wissen wir – was ist noch offen?

Was wir wissen: Kinder mit Autismus haben ein erhöhtes Risiko für Zahnprobleme und stoßen auf viele Hürden beim Zahnarzt. [2] [3] Visuelle Hilfen, besonders Videos, und Elternschulung verbessern in Studien die Mundgesundheit. [5]

Offen:

  • Die Studien sind uneinheitlich und teils klein; die Belege sind nicht schlüssig. [1]
  • Es fehlen methodisch starke Interventionsstudien. [2]
  • Erwachsene im Autismus-Spektrum sind in diesen Übersichten kaum vertreten.
  • Was in Deutschland von Krankenkassen übernommen wird (zum Beispiel Behandlung in Narkose), wurde nicht geprüft.

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Quellen und Literatur

  1. Balian A, Cirio S, Salerno C, Wolf TG, Campus G, Cagetti MG: Is Visual Pedagogy Effective in Improving Cooperation towards Oral Hygiene and Dental Care in Children with Autism Spectrum Disorder? A Systematic Review and Meta-Analysis. International Journal of Environmental Research and Public Health 2021;18(2):789. https://doi.org/10.3390/ijerph18020789 (frei lesbar, CC BY) – Systematischer Review mit Metaanalyse (23 Studien)
  2. Erwin J, Paisi M, Neill S, Burns L, Vassallo I, Nelder A, Facenfield J, Devalia U, Vassallo T, Witton R: Factors influencing oral health behaviours, access and delivery of dental care for autistic children and adolescents: A mixed‐methods systematic review. Health Expectations 2022;25(4):1269-1318. https://doi.org/10.1111/hex.13544 (frei lesbar, CC BY) – Systematischer Review (59 Studien)
  3. Jones J, Roberts E, Cockrell D, Higgins D, Sharma D: Barriers to Oral Health Care for Autistic Individuals—A Scoping Review. Healthcare 2024;12(1):103. https://doi.org/10.3390/healthcare12010103 (frei lesbar, CC BY) – Scoping Review (16 Artikel)
  4. Murariu A, Bobu L, Iovan G, Gelețu GL, Leon LI, Teodorescu AC, Zapodeanu D, Onofrei BA, Frățilă DN, Lupu CI, Baciu ER: Oral Health-Related Quality of Life and Its Determinants in Children and Adolescents with Autism Spectrum Disorder: A Scoping Review. Dentistry Journal 2026;14(8):492. https://doi.org/10.3390/dj14080492 (frei lesbar, CC BY; online 06.08.2026) – Scoping Review (23 Studien)
  5. Rajaei I, Babaei A, Djalalinia S, Qorbani M: Oral Health Interventions in Children With Autism Spectrum Disorder: A Systematic Review and Meta‐Analysis of Interventional Studies. Clinical and Experimental Dental Research 2025;11(6):e70258. https://doi.org/10.1002/cre2.70258 (frei lesbar, CC BY; online 01.12.2025) – Systematischer Review mit Metaanalyse (27 Studien)

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