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Autismus verstehen

Verursachen Impfungen Autismus? Was die Studien zeigen

Für wen? Für Eltern und Interessierte, die sich fragen, ob ein Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus besteht.

Kurz erklärt

Nein: Große Studien finden keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus. Eine Metaanalyse von 2014 wertete fünf Kohortenstudien mit insgesamt 1.256.407 Kindern und fünf Fall-Kontroll-Studien mit 9.920 Kindern aus und fand keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus, auch nicht für die Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) oder für Thiomersal und Quecksilber. [1] Eine dänische Kohortenstudie mit 657.461 Kindern fand für MMR-geimpfte Kinder kein erhöhtes Autismus-Risiko. [2] Ein 1998 in The Lancet erschienener Beitrag zu Darmbeschwerden und Entwicklungsstörungen bei Kindern wurde 2010 von der Zeitschrift zurückgezogen. [3]

Ein zurückgezogener Beitrag von 1998

The Lancet veröffentlichte 2010 eine Rücknahme („Retraction“) eines Beitrags von 1998 über Darmbeschwerden und Entwicklungsstörungen bei Kindern.

Was die Metaanalyse von 2014 zeigt

Taylor und Kolleg:innen suchten bis April 2014 in mehreren Datenbanken nach Studien, die Impfungen und die spätere Entwicklung von Autismus oder Autismus-Spektrum-Störung untersuchten. Eingeschlossen wurden fünf Kohortenstudien mit insgesamt 1.256.407 Kindern und fünf Fall-Kontroll-Studien mit 9.920 Kindern. [1]

  • Die Kohortenstudien zeigten keinen Zusammenhang zwischen Impfung und Autismus (Odds Ratio 0,99; 95-%-Konfidenzintervall 0,92 bis 1,06) oder Autismus-Spektrum-Störung (0,91; 0,68 bis 1,20). Auch für MMR (0,84; 0,70 bis 1,01), Thiomersal (1,00; 0,77 bis 1,31) und Quecksilber (1,00; 0,93 bis 1,07) fand sich kein Zusammenhang. [1]
  • Die Fall-Kontroll-Studien fanden keinen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko nach MMR, Quecksilber oder Thiomersal. [1]
  • Die Autor:innen schlossen, dass Impfungen nicht mit der Entwicklung von Autismus verbunden sind und dass auch Impfstoffbestandteile (Thiomersal, Quecksilber) oder mehrere Impfungen zugleich (MMR) nicht damit zusammenhängen. [1]

Ein Odds Ratio nahe 1 bedeutet: Geimpfte und nicht geimpfte Kinder unterscheiden sich im Autismus-Risiko praktisch nicht.

Was die dänische Studie von 2019 zeigt

Hviid und Kolleg:innen werteten Daten von 657.461 in Dänemark zwischen 1999 und 2010 geborenen Kindern aus Registern aus. Während des Beobachtungszeitraums wurden 6.517 Kinder mit Autismus diagnostiziert. Beim Vergleich MMR-geimpfter mit nicht MMR-geimpften Kindern ergab sich nach Berücksichtigung von Alter, Geburtsjahr, Geschlecht, anderen Impfungen, Autismus bei Geschwistern und Risikofaktoren ein Hazard Ratio von 0,93 (95-%-Konfidenzintervall 0,85 bis 1,02). [2] Auch in Untergruppen (zum Beispiel Kinder mit Geschwistern mit Autismus oder mit Risikofaktoren) und in bestimmten Zeiträumen nach der Impfung fand sich kein erhöhtes Risiko. Die Autor:innen werteten das als starke Unterstützung dafür, dass MMR das Autismus-Risiko nicht erhöht, Autismus nicht bei empfänglichen Kindern auslöst und Fälle nicht gehäuft nach der Impfung auftreten. [2]

Grenzen der Studien

  • Beobachtungsstudien. Beide Arbeiten werten beobachtete Daten aus; sie sind keine Experimente. Gerade deshalb sind große Datenmengen und die Berücksichtigung anderer Einflüsse wichtig. [1; 2]
  • Registerdaten. In der dänischen Studie wurden keine einzelnen Patientenakten geprüft; als Einschränkung nennen die Autor:innen dies ausdrücklich. [2]
  • Gelesene Teile. Für diesen Beitrag wurden die Zusammenfassungen (Abstracts) der Studien ausgewertet, nicht die Volltexte. Einzelne Details der Methodik sind daher hier nicht dargestellt.
  • Nicht beantwortet: Dieser Beitrag sagt nichts über andere Fragen zu Impfungen, etwa Empfehlungen zum Impfplan oder zu einzelnen Impfstoffen.

Was du sonst noch wissen solltest

  • Impffragen gehören in die Kinder- und Jugendarztpraxis. Dort kannst du den Impfplan und deine Fragen besprechen.
  • Woher Autismus kommt: Zu Ursachen siehe Ursachen von Autismus.
  • Mythen erkennen: Wie du unseriöse Versprechen einordnest, liest du hier: Unseriöse Angebote erkennen.

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Quellen und Literatur

  1. Taylor LE, Swerdfeger AL, Eslick GD. Vaccines are not associated with autism: an evidence-based meta-analysis of case-control and cohort studies. Vaccine 2014;32(29):3623–3629. https://doi.org/10.1016/j.vaccine.2014.04.085 – Metaanalyse
  2. Hviid A, Hansen JV, Frisch M, Melbye M. Measles, mumps, rubella vaccination and autism: a nationwide cohort study. Annals of Internal Medicine 2019;170(8):513–520. https://doi.org/10.7326/M18-2101 – Kohortenstudie
  3. Retraction – Ileal-lymphoid-nodular hyperplasia, non-specific colitis, and pervasive developmental disorder in children. The Lancet 2010;375(9713):445. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(10)60175-4 – Rücknahmeerklärung

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