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Diagnostik & Diagnose

Diagnosekriterien bei Autismus: DSM-5 und ICD-11

Für wen? Für alle, die verstehen möchten, nach welchen Kriterien eine Autismusdiagnose gestellt wird, etwa Menschen im Autismus-Spektrum, Angehörige und Fachkräfte. Er stellt keine Diagnose und ersetzt keine Untersuchung.

Kurz erklärt

Die Diagnose „Autismus-Spektrum-Störung“ stützt sich auf Kriterien aus zwei Kernbereichen: Besonderheiten in der sozialen Kommunikation und Interaktion einerseits, eingeschränkte und wiederkehrende Verhaltensmuster, Interessen oder Aktivitäten andererseits. Beide Bereiche müssen vorliegen, die Merkmale müssen schon in der frühen Kindheit erkennbar gewesen sein, situationsübergreifend auftreten und im Alltag klinisch bedeutsam beeinträchtigen. [1] Als aktuell gültige Kriterienwerke nennt die Fachübersicht das DSM-5 und die ICD-11. [1] In Deutschland bleibt für die Kodierung von Diagnosen in der Versorgung bis zur Einführung der ICD-11 weiterhin die ICD-10-GM die amtliche Klassifikation. [2] In der ICD-10-GM stehen die früheren Diagnosen unter F84.0, F84.1 und F84.5. [3]

Die zwei Kernbereiche nach DSM-5

Nach der Darstellung einer Fachübersicht setzt sich die Kernsymptomatik laut DSM-5 aus zwei Bereichen zusammen: [1]

1. Soziale Kommunikation und Interaktion (alle drei Merkmale müssen erfüllt sein; im Kriterienwerk werden sie als „Defizite“ bezeichnet):

  • Schwierigkeiten in der sozial-emotionalen Gegenseitigkeit, zum Beispiel fehlende wechselseitige Kommunikation oder kaum gemeinsame Freude an der Interaktion,
  • Besonderheiten im nonverbalen Kommunikationsverhalten, zum Beispiel bei Gestik, Mimik und Blickkontakt und deren Zusammenspiel,
  • Schwierigkeiten, Beziehungen aufzunehmen, aufrechtzuerhalten und zu verstehen, zum Beispiel beim Schließen von Freundschaften.

2. Eingeschränkte, wiederkehrende Verhaltensmuster, Interessen oder Aktivitäten, die sich störend auf Aktivitäten oder den Alltag auswirken (mindestens zwei von vier Merkmalen):

  • stereotype oder wiederkehrende Bewegungen, ein stereotyper Gebrauch von Objekten (zum Beispiel Aufreihen) oder von Sprache (zum Beispiel Echolalie),
  • unflexibles Festhalten an Gleichbleibendem, an Routinen oder ritualisierten Mustern,
  • sehr begrenzte und fixierte Interessen, die in Intensität oder Inhalt ungewöhnlich sind,
  • Über- oder Unterreaktion auf Sinnesreize oder ungewöhnliches Interesse an Reizen aus der Umgebung.

Die Wörter „Defizite“ und „Störung“ stammen aus den Kriterienwerken. Die Seite Autismus Wissen schreibt in eigenen Texten „Menschen im Autismus-Spektrum“; in der Community gibt es unterschiedliche Sprachpräferenzen.

Weitere Voraussetzungen

Die Kombination von Merkmalen aus beiden Kernbereichen ist notwendige Voraussetzung. Außerdem müssen sich die berichteten und beobachtbaren Merkmale schon in der frühen Kindheit gezeigt haben, situationsübergreifend auftreten und in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigung verursachen. Es muss geprüft werden, ob die Merkmale nicht besser durch eine andere Störung erklärt werden können, weil sie auch bei vielen anderen psychischen Störungen vorkommen. [1] Mehr dazu: Ablauf einer Autismusdiagnostik.

Aus mehreren Diagnosen wurde ein Spektrum

Die früher getrennten Diagnosen „Frühkindlicher Autismus“, „Asperger-Syndrom“ und „atypischer Autismus“ werden nach der Fachübersicht mittlerweile unter der Kategorie „Autismus-Spektrum-Störung“ zusammengefasst. Die Diagnosekriterien wurden im Lauf der Zeit mehrfach überarbeitet, um die Vielfalt der Besonderheiten besser abzubilden. [1] Frühere Befunde können noch alte Bezeichnungen tragen. Das ändert nichts daran, dass die Besonderheiten bestehen.

ICD-10-GM, ICD-11 und DSM-5: Welche Klassifikation gilt in Deutschland?

Die Fachübersicht nennt DSM-5 und ICD-11 als aktuell gültige Kriterienwerke und ordnet Autismus dort unter den „Störungen der neuronalen und mentalen Entwicklung“ ein. [1] Für die Kodierung in Deutschland gilt nach dem BfArM: Bis zu einer Einführung der ICD-11 im jeweiligen Anwendungsbereich bleibt die ICD-10 die gültige amtliche Klassifikation, für Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung die ICD-10-GM. Die Einführung der ICD-11 zur Kodierung von Diagnosen wird nach Angaben des BfArM noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen. [2] Welche Bezeichnung und welcher Code in deinem Befund stehen, kann deshalb von den Begriffen in diesem Artikel abweichen. In der ICD-10-GM (Version 2026) stehen die früheren Diagnosen unter den Schlüsselnummern F84.0 (Frühkindlicher Autismus), F84.1 (Atypischer Autismus) und F84.5 (Asperger-Syndrom) innerhalb der „Tiefgreifenden Entwicklungsstörungen“ (F84.-). [3]

Was die Kriterien nicht leisten

  • Sie sind kein Selbsttest. Eine Diagnose entsteht durch eine ausführliche Diagnostik mit mehreren Informationsquellen, nicht durch das Abhaken einer Liste. [1] Mehr: ADOS-2, ADI-R und Screening.
  • Sie sagen nichts darüber, wie stark jemand im Alltag Unterstützung braucht; das beschreibt der Befund im Einzelfall.
  • Dieser Beitrag nennt die Kriterien in der Fassung der gelesenen Fachübersicht. Das Handbuch DSM-5 und die ICD-11 selbst wurden hier nicht im Wortlaut geprüft; die überarbeitete Textfassung DSM-5-TR ist nicht berücksichtigt.

Häufige Fragen

Welche Diagnosekriterien gelten für Autismus? Die Diagnose stützt sich auf zwei Kernbereiche: Besonderheiten in der sozialen Kommunikation und Interaktion sowie eingeschränkte, wiederkehrende Verhaltensmuster, Interessen oder Aktivitäten. Beide Bereiche müssen vorliegen, die Merkmale müssen schon in der frühen Kindheit erkennbar gewesen sein, situationsübergreifend auftreten und im Alltag klinisch bedeutsam beeinträchtigen. [1]

Was ist der Unterschied zwischen DSM-5 und ICD-11? Die Fachübersicht nennt beide als aktuell gültige Kriterienwerke. [1] In Deutschland bleibt für die Kodierung bis zur Einführung der ICD-11 die ICD-10-GM die amtliche Klassifikation. [2]

Welcher ICD-10-Code gilt für Autismus? In der ICD-10-GM, die in Deutschland weiter die amtliche Klassifikation ist, gehören die Diagnosen zu F84.- („Tiefgreifende Entwicklungsstörungen“): F84.0 Frühkindlicher Autismus, F84.1 Atypischer Autismus und F84.5 Asperger-Syndrom. [3] Welche Bezeichnung und welcher Code in deinem Befund stehen, entscheiden die Fachleute.

Welche Diagnose steht heute statt Asperger oder frühkindlichem Autismus? Die früher getrennten Diagnosen werden mittlerweile unter „Autismus-Spektrum-Störung“ zusammengefasst. [1] Mehr: Asperger-Syndrom und frühkindlicher Autismus heute.

Kann ich anhand der Kriterien selbst feststellen, ob ich Autismus habe? Nein. Eine Diagnose entsteht durch eine ausführliche Diagnostik mit mehreren Informationsquellen, nicht durch das Abhaken einer Liste. [1]

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Quellen und Literatur

  1. Höhne E, Kamp-Becker I (Klinik für KJP, Universitätsklinikum Marburg): Diagnostik der Autismus-Spektrum-Störung. Pädiatrie (Rosenfluh) 2024;(4+5):27–32. https://rosenfluh.ch/media/paediatrie/2024/04-05/Diagnostik-der-Autismus-Spektrum-Stoerung.pdf – Fachübersicht
  2. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Informationsseiten „ICD-11“ und „ICD“. https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-11/_node.html – Behördenseite
  3. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): ICD-10-GM Version 2026, Kapitel V, Tiefgreifende Entwicklungsstörungen (F84.-) (klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2026/block-f80-f89.htm). Abgerufen am 23.10.2026. – Klassifikation

Begriffe aus diesem Beitrag

ICD-10-GM und ICD-11
Klassifikationen von Krankheiten. In Deutschland ist für Diagnosen in der Versorgung bis zur Einführung der ICD-11 weiterhin die ICD-10-GM die amtliche Klassifikation.
DSM-5
Diagnosehandbuch (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Auflage). Es beschreibt Autismus mit zwei Kernbereichen: soziale Kommunikation und Interaktion sowie eingeschränkte, wiederkehrende Verhaltensmuster, Interessen oder Aktivitäten.
Frühkindlicher Autismus
Frühere Diagnosebezeichnung innerhalb der Autismus-Diagnosen. Nach heutiger Darstellung wird sie mit anderen früheren Diagnosen unter „Autismus-Spektrum-Störung“ zusammengefasst.
Asperger-Syndrom
Frühere Diagnosebezeichnung innerhalb der Autismus-Diagnosen. Nach heutiger Darstellung wird sie mit anderen früheren Diagnosen unter „Autismus-Spektrum-Störung“ zusammengefasst.

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