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Erwachsene im Spektrum

Psychische Belastung und Suizidgedanken bei Autismus

Für wen? Für Erwachsene im Autismus-Spektrum, die sich seelisch stark belastet fühlen oder Suizidgedanken kennen, für Angehörige, die sich Sorgen machen, und für Fachkräfte.

Kurz erklärt

Suizidgedanken sind bei Erwachsenen im Autismus-Spektrum häufiger als in der Allgemeinbevölkerung. In einer britischen Online-Befragung erreichten 72 % der 164 befragten Erwachsenen mit Autismus im Fragebogen einen erhöhten Suizidrisiko-Wert, in einer Vergleichsgruppe 33 %; die Stichprobe war nicht repräsentativ. [1] Als Risikozeichen nannte die Studie unter anderem das Verbergen der eigenen Art (Masking) und nicht erfüllte Unterstützungsbedürfnisse. [1] Die Leitlinie von 2021 empfahl, Suizidalität regelhaft abzuklären und bei Bedarf umgehend Krisenhilfe einzuleiten. [3, Empf. 90] Suizidgedanken sind keine Schwäche. Hilfe gibt es.

Wenn es dir gerade sehr schlecht geht: Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, außerdem per Chat und E-Mail. [4] In akuter Gefahr wähle den Notruf 112. Du musst das nicht allein tragen.

Stand der Leitlinie: Dieser Beitrag nutzt die S3-Leitlinie Therapie (2021). Sie ist seit dem 23.03.2026 abgelaufen. [2] Die Aussagen sind nicht automatisch falsch, aber nicht durch eine gültige Leitlinie gedeckt.

Was die Studie zeigte

Eine britische Online-Befragung (Cassidy und Kolleg:innen 2018) verglich 164 Erwachsene mit selbst berichteter Diagnose aus dem Autismus-Spektrum und 169 Erwachsene aus der Allgemeinbevölkerung (20 bis 60 Jahre). Die Fragen wurden gemeinsam mit einer Gruppe Betroffener entwickelt. 72 % der Erwachsenen im Spektrum, aber 33 % der Vergleichsgruppe erreichten im Fragebogen zu Suizidalität (SBQ‑R) einen Wert über der üblichen Schwelle; 38 % berichteten über einen Suizidversuch im Leben (Allgemeinbevölkerung 8 %). [1]

Auch nach statistischer Kontrolle von Alter, Geschlecht, psychischen Erkrankungen, Arbeit und Wohnsituation blieben die Diagnose und selbst berichtete Merkmale von Autismus mit erhöhter Suizidalität verbunden. Bei den Erwachsenen im Spektrum sagten Selbstverletzung ohne Suizidabsicht, Masking und die Zahl nicht erfüllter Unterstützungsbedürfnisse Suizidalität voraus. [1] Mehr zu Masking: Masking: Wenn Anpassung erschöpft.

Die Autor:innen nannten Einschränkungen. Es handelte sich um eine einmalige Querschnittsbefragung, sodass Ursache und Folge nicht zu trennen sind. Ausgewertet wurden Erwachsene ohne Intelligenzminderung, die Diagnose beruhte auf Selbstauskunft, und die Stichprobe bestand überwiegend aus Frauen. Psychische Erkrankungen kamen in der Stichprobe deutlich häufiger vor als in früheren Schätzungen, sodass sie nicht repräsentativ sein muss. [1] Die gefundenen Zusammenhänge erklärten nur einen kleinen zusätzlichen Teil der Unterschiede. [1]

Was als Schutz und Hilfe gilt

Die Leitlinie von 2021 nannte als Kernpunkte: Suizidalität soll regelhaft abgeklärt werden, bei Vorliegen soll die Krisenintervention umgehend beginnen, gesetzliche Regelungen gelten bei Bedarf, und bei der Abklärung sollen die kommunikativen Besonderheiten von Menschen mit Autismus beachtet werden. [3, Empf. 90] Für akute Krisen empfahl sie Stabilisierung mit wenigen bekannten Personen, Rückzugsmöglichkeiten und frühzeitig erstellte Krisenpläne. [3, Empf. 104] Zur Vorbeugung akuter Krisen mit Suizidalität sollten nach der Leitlinie insbesondere die Therapien bei Angst und Depression eingesetzt werden. [3, Empf. 104]

Für eine Depression bei Erwachsenen im Spektrum sollte die Nationale Versorgungsleitlinie zur unipolaren Depression beachtet werden, unabhängig von den kognitiven Fertigkeiten. [3, Empf. 84] Bei ausreichenden sprachlichen Fertigkeiten und ohne Suizidalität kann nach der Leitlinie auch eine kognitive Verhaltenstherapie in der Gruppe mit übenden Elementen (zum Beispiel Bewegung, positive Aktivitäten, Stressregulation, Achtsamkeit, Entspannung) eingesetzt werden (Empfehlungsgrad 0, „kann“). [3, Empf. 85] Mehr zu Psychotherapie: Psychotherapie bei Autismus: Angst und Depression.

Wenn du selbst betroffen bist

  • Sprich mit jemandem. TelefonSeelsorge (siehe oben) hört zu, auch nachts; du musst nichts erklären. [4]
  • Sag, was dir hilft: Wenn Sprechen am Telefon schwerfällt, gibt es bei der TelefonSeelsorge Chat und E-Mail. [4]
  • Such ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe. Du darfst sagen, dass du im Autismus-Spektrum bist und wie Kommunikation für dich am besten geht. Hinweis: Das ist eine Anregung der Redaktion, die der Leitlinie zu den kommunikativen Besonderheiten folgt. [3, Empf. 90]
  • Bei akuter Gefahr: Notruf 112. Wenn du Dinge griffbereit hast, mit denen du dich verletzen könntest, bitte jemanden, sie zu verwahren. Hinweis: Das ist ein Sicherheitshinweis der Redaktion.
  • Erschöpfung ernst nehmen: Autistisches Burnout beschreibt Burnout, das mit Überforderung zusammenhängt.

Wenn du dir um jemanden Sorgen machst

Sprich die Person direkt und ruhig an und frage ehrlich nach Suizidgedanken; das erhöht das Risiko nicht. Hinweis: Das ist eine Einschätzung der Redaktion, für die hier keine Quelle ausgewertet wurde. Bleib bei der Person, bis Hilfe da ist, wenn akute Gefahr besteht, und ruf den Notruf 112. Die Leitlinie empfahl, Suizidalität in Behandlung und Betreuung regelhaft abzuklären. [3, Empf. 90] Für dich als Angehörige:r gibt es ebenfalls Unterstützung: Selbstfürsorge für Eltern und Angehörige.

Was wissen wir – was ist noch offen?

Studienbasiert (eine Querschnittsbefragung, nicht repräsentativ): Erhöhte Suizidalität bei Erwachsenen im Spektrum; Masking und nicht erfüllte Unterstützungsbedürfnisse als mögliche Risikozeichen. [1]

Konsensbasiert/Leitlinie: Suizidalität regelhaft abklären, Krisenintervention umgehend, Besonderheiten der Kommunikation beachten. [3, Empf. 90, 104]

Offen:

  • Ob Masking und fehlende Unterstützung Suizidalität verursachen oder nur damit zusammenhängen, zeigt die Studie nicht. [1]
  • Für Menschen mit Intelligenzminderung oder ohne Lautsprache gibt es in dieser Studie keine Aussagen. [1]
  • Zur Krisenintervention bei Autismus fand die Leitlinie nur wenige verwertbare Studien mit niedrigem Evidenzgrad, für Erwachsene keine. [3, Kap. C.8.2]

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Quellen und Literatur

  1. Cassidy S, Bradley L, Shaw R, Baron-Cohen S. Risk markers for suicidality in autistic adults. Molecular Autism 2018;9:42. https://doi.org/10.1186/s13229-018-0226-4 (PMC6069847) – Querschnittsstudie (Online-Befragung)
  2. DGKJP. Aktuelle Leitlinien (Einträge 028-018 „Gültig bis 04.04.2021“ und 028-047 „Gültig bis 23.03.2026“). https://www.dgkjp.de/wissen/aktuelle-leitlinien/ – Fachgesellschaft
  3. DGKJP, DGPPN et al. Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 2: Therapie. S3-Leitlinie, AWMF-Reg.-Nr. 028-047, Stand Text 02.05.2021. – Leitlinie; abgelaufen am 23.03.2026
  4. TelefonSeelsorge Deutschland: Startseite mit Rufnummern. https://www.telefonseelsorge.de/ – Beratungsangebot

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