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Erwachsene im Spektrum

Masking: Wenn Anpassung erschöpft

Für wen? Für Jugendliche und Erwachsene im Autismus-Spektrum, die sich im Alltag oft verstellen oder anpassen. Außerdem für Angehörige und Fachkräfte, die verstehen möchten, warum jemand „unauffällig“ wirkt und trotzdem stark belastet sein kann.

Kurz erklärt

Mit Masking (in der Forschung meist Camouflaging, also „Tarnen“) sind Strategien gemeint, mit denen Menschen im Autismus-Spektrum sich an eine Umgebung anpassen, die überwiegend von Menschen ohne Autismus geprägt ist. Dazu gehört zum Beispiel, bewusst Blickkontakt herzustellen, Gesprächsthemen vorher vorzubereiten. [2] Menschen berichten, dass sie mit Masking hoffen, Ausgrenzung zu vermeiden. [2] Studien finden aber auch Zusammenhänge mit Erschöpfung, Angst und Depression. Die Forschung dazu ist noch jung, und vieles ist nicht abschließend geklärt.

Was genau mit Masking gemeint ist

Eine systematische Übersichtsarbeit beschreibt Camouflaging als bestimmte Verhaltens- und Denkstrategien, mit denen Menschen im Autismus-Spektrum sich an eine soziale Welt, die überwiegend von Menschen ohne Autismus geprägt ist, anpassen oder darin zurechtkommen. [1] In der Fachliteratur werden dafür auch die Begriffe Kompensation und Masking verwendet. [1]

Häufig werden drei Bereiche unterschieden: [5]

  • Masking im engeren Sinn: Merkmale von Autismus verbergen, zum Beispiel Stimming unterdrücken. [2]
  • Kompensation: Schwierigkeiten ausgleichen, etwa durch bewusst hergestellten Blickkontakt oder vorbereitete Gesprächsthemen. [2]
  • Assimilation: sich in soziale Rollen einfügen, um dazuzugehören. [5]

Warum Menschen mit Autismus maskieren

In einer Interviewstudie mit Erwachsenen im Autismus-Spektrum nannten Befragte als Gründe unter anderem, dazugehören und Kontakte knüpfen zu wollen und negative Reaktionen zu vermeiden. [2] Aus Sicht der Befragten spielt die Umgebung dabei eine Rolle. [2]

Wie Masking erlebt wird

In einer Interviewstudie (92 Erwachsene, überwiegend Frauen) berichteten Befragte von Erschöpfung, Unsicherheit über die eigene Identität und Angst im Zusammenhang mit dem Maskieren. Das sind Selbstberichte. [2]

In mehreren Studien hing stärkeres Camouflaging mit mehr allgemeiner Angst, sozialer Angst und Depression zusammen. [5] Solche Studien zeigen einen Zusammenhang, aber nicht, was Ursache und was Folge ist (siehe Evidenzkasten).

Ein Beispiel aus dem Alltag (erfundenes Beispiel, kein Einzelfall): Eine Person wirkt im Büro gesprächig und entspannt, hat sich aber jede Begegnung innerlich vorbereitet. Zu Hause braucht sie danach Stunden völliger Ruhe. Für andere ist davon nichts zu sehen.

Masking und Diagnose

In qualitativen Studien berichten Menschen, dass Masking ihre Diagnose verzögert haben könnte; quantitative Studien sind uneinheitlich, und die Richtung des Zusammenhangs ist unklar. [5] In mehreren Studien gaben Frauen und Mädchen höhere Camouflaging-Werte an als Männer und Jungen; auch bei nicht-binären Personen wurde erhöhte Kompensation berichtet. [5] Mehr dazu im Artikel Frauen und Autismus.

Wer eine Diagnostik erwägt, kann erlebtes Masking offen ansprechen. Hinweise dazu stehen im Artikel Diagnostik im Erwachsenenalter.

Was helfen kann

Die Autor:innen einer Studie zu autistischem Burnout weisen auf mögliche Gefahren hin, wenn Menschen mit Autismus beigebracht wird, Merkmale ihres Autismus zu verbergen. Die folgenden Punkte sind deshalb Überlegungen, keine erprobten Therapieempfehlungen:

  • Wahrnehmen, wann und wo man maskiert. Und wie viel Energie das jeweils kostet.
  • Orte und Menschen suchen, bei denen Maskieren weniger nötig ist.
  • Erholungszeiten fest einplanen, besonders nach sozial anstrengenden Situationen.
  • Anpassungen im Umfeld erbitten, zum Beispiel am Arbeitsplatz, statt die gesamte Anpassungsleistung selbst zu erbringen. Siehe Arbeit und Beruf mit Autismus.
  • Fachliche Unterstützung suchen, wenn Erschöpfung, Angst oder Niedergeschlagenheit anhalten. Siehe Psychotherapie für Menschen mit Autismus.

Wenn es dir sehr schlecht geht oder du an Selbsttötung denkst, erreichst du die TelefonSeelsorge Tag und Nacht, kostenlos und anonym unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. [4] In akuter Gefahr wähle den Notruf 112. Weitere Hinweise stehen im Artikel Autistisches Burnout.

Für Angehörige und Fachkräfte gilt: Wenn jemand „gut zurechtkommt“, heißt das nicht automatisch, dass es der Person gut geht.

Was wissen wir – was ist noch offen?

In Studien übereinstimmend berichtet

  • Menschen im Autismus-Spektrum berichten in Studien, dass sie Merkmale ihres Autismus verbergen oder ausgleichen. Die Stichproben sind überwiegend Erwachsene, die Messmethoden unterscheiden sich, und die Repräsentativität ist begrenzt. [1]
  • Die Gründe und Erfahrungen stammen aus einer Interviewstudie mit 92 Erwachsenen (überwiegend Frauen); es sind Selbstberichte. [2]

Wahrscheinlich bzw. wiederholt gefunden

  • Stärkeres Camouflaging hängt in mehreren Studien mit mehr Angst und Depression zusammen. [5]

Begrenzte oder widersprüchliche Evidenz

  • Ob und wie Masking mit einer späten oder ausbleibenden Diagnose zusammenhängt: Drei qualitative Studien fanden einen Zusammenhang, zwei quantitative Studien nicht; die Richtung bleibt unklar. [5]
  • Wie Masking mit Denkfähigkeiten zusammenhängt, etwa mit exekutiven Funktionen, Intelligenz oder der Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen: Hier sind die Ergebnisse uneinheitlich. [5]
  • Wie gut sich Masking messen lässt: Es gibt unterschiedliche Messansätze, etwa Selbstauskunft oder den Vergleich zwischen innerem Erleben und äußerem Verhalten. [1]

Offene Fragen

  • Ob Masking psychische Belastung verursacht, ob belastete Menschen mehr maskieren, oder beides.
  • Welche Unterstützung die Belastung wirksam verringert.

Häufige Fragen

Was ist Masking bei Autismus? Masking (in der Forschung meist Camouflaging) bezeichnet Strategien, mit denen Menschen im Autismus-Spektrum Merkmale verbergen oder Schwierigkeiten ausgleichen, um sich an eine überwiegend von Menschen ohne Autismus geprägte Umgebung anzupassen. [1; 2]

Warum maskieren Menschen mit Autismus? In einer Interviewstudie nannten Erwachsene vor allem, dazugehören und Kontakte knüpfen zu wollen und negative Reaktionen zu vermeiden. [2]

Macht Masking krank oder erschöpft es? Befragte berichteten von Erschöpfung, Unsicherheit über die eigene Identität und Angst. [2] In mehreren Studien hing stärkeres Camouflaging mit mehr Angst und Depression zusammen; ob Masking das verursacht, ist offen. [5] Mehr zum Zustand tiefer, anhaltender Erschöpfung: Autistisches Burnout.

Maskieren Frauen mehr als Männer? In mehreren Studien gaben Frauen und Mädchen höhere Camouflaging-Werte an. [5] Die Autor:innen der Interviewstudie betonen, dass Camouflaging kein ausschließlich weibliches Phänomen ist. [2] Mehr: Frauen und Autismus.

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Quellen und Literatur

  1. Cook J, Hull L, Crane L, Mandy W. Camouflaging in autism: A systematic review. Clinical Psychology Review 2021;89:102080. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2021.102080 – Systematischer Review
  2. Hull L, Petrides KV, Allison C, et al. “Putting on my best normal”: Social camouflaging in adults with autism spectrum conditions. Journal of Autism and Developmental Disorders 2017;47(8):2519–2534. https://doi.org/10.1007/s10803-017-3166-5 – Qualitative Studie
  3. Raymaker DM, Teo AR, Steckler NA, et al. “Having all of your internal resources exhausted beyond measure and being left with no clean-up crew”: Defining autistic burnout. Autism in Adulthood 2020;2(2):132–143. https://doi.org/10.1089/aut.2019.0079 – Qualitative, partizipative Studie
  4. TelefonSeelsorge Deutschland. https://www.telefonseelsorge.de/ – Beratungsangebot
  5. Klein J, Krahn R, Howe S, et al. A systematic review of social camouflaging in autistic adults and youth: implications and theory. Development and Psychopathology 2025;37(3):1320–1334 (online 2024). https://doi.org/10.1017/S0954579424001159 – Systematischer Review

Begriffe aus diesem Beitrag

Masking
Strategien, mit denen Menschen im Autismus-Spektrum sich an eine überwiegend von Menschen ohne Autismus geprägte Umgebung anpassen. In der Forschung meist „Camouflaging“ („Tarnen“) genannt.

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