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Erwachsene im Spektrum

Beziehungen, Freundschaft und Partnerschaft

Für wen? Für Jugendliche und Erwachsene im Autismus-Spektrum und ihre Angehörigen, die wissen möchten, was die Forschung zu Freundschaften, Partnerschaft und Einsamkeit sagt.

Kurz erklärt

Viele Menschen im Autismus-Spektrum wünschen sich Freundschaften und Beziehungen, und Schwierigkeiten dabei werden nicht automatisch durch fehlendes Interesse erklärt. [1] Ein systematischer Review (8 qualitative Studien) fand: Viele nutzen Tarnen (Camouflaging), um Freundschaften zu knüpfen; für die meisten ist das erschöpfend, oft wenig wirksam und stellt die soziale Echtheit infrage. [1] Zu Partnerschaften fand der Review kaum Belege. [1] Ein weiterer Review (34 Artikel) zu Einsamkeit nannte Angst und Depression sowie fehlendes Verständnis als mögliche Faktoren, die sie erhöhen, und Beziehungen und Selbstakzeptanz als mögliche Faktoren, die sie verringern. [2] Die Leitlinie von 2021 ist abgelaufen. [4]

Wunsch nach Nähe und was dem im Weg stehen kann

Die Autor:innen des Reviews zu Freundschaft und Partnerschaft halten fest, dass Schwierigkeiten in sozialen Beziehungen bei Menschen im Spektrum häufig sind und oft mit Unterschieden in sozialer Interaktion und Kommunikation erklärt werden, die manche als geringe soziale Motivation deuten. Sie argumentieren, diese Theorie erkläre das Tarnen nicht, und fordern, die Theorie der sozialen Motivation zu überdenken. [1] Das ist die Einordnung der Autor:innen und kein allgemeiner Konsens. Zur Grundlage: Soziale Kommunikation und Interaktion bei Autismus.

Tarnen und Authentizität

Nach dem Review wird Tarnen häufig eingesetzt, um Freundschaften mit Menschen ohne Autismus zu gewinnen; der Druck dazu beginne oft früh. Viele blieben mit den so gewonnenen Beziehungen unzufrieden, einige zogen sich zurück oder suchten Freundschaft in der Community oder in Situationen, in denen Tarnen weniger nötig schien; viele blieben dennoch einsam. [1] Der Review bezog nur acht qualitative Studien ein; zu Partnerschaften gab es „little evidence“. [1] Mehr: Masking: Wenn Anpassung erschöpft.

Einsamkeit

Der Review zu Einsamkeit (Studien bis April 2021) fand wenig Forschung, die Menschen im Spektrum direkt nach ihrem Erleben fragte, und kaum für Menschen im Spektrum entwickelte Fragebögen. Er nannte Angst, Depression und fehlendes Verständnis als mögliche Faktoren, die Einsamkeit erhöhen, und Beziehungen und Selbstakzeptanz als mögliche Faktoren, die sie verringern. [2] „Einsamkeit“ im Sinne von „nicht dazugehören“ (kollektive Einsamkeit) sei wichtig, aber seltener untersucht. [2]

Unterstützungsangebote

Die Leitlinie von 2021 empfahl für Erwachsene ohne Intelligenzminderung eine befristete, manualisierte Gruppentherapie zur Förderung der sozialen Interaktion (Evidenzgrad A; Inhalte unter anderem Kontaktaufnahme, Aufbau und Erhalt von Freundschaften, Umgang mit Wünschen nach intimer Beziehung und Sexualität sowie mit Stress und Einsamkeit). Die Studienlage bestand aus drei kleinen Studien. [3, Empf. 17] Außerdem nannte sie für sozial isoliert lebende Erwachsene ein strukturiertes Freizeitprogramm als konsensbasierte Idee der Quell-Leitlinien. [3, Kap. C.4.2.1] Mehr: Autismusspezifische Therapie und Förderung.

Was wissen wir – was ist noch offen?

Befund (Reviews, nur Abstracts gelesen): Tarnen ist häufig und oft unbefriedigend; Einsamkeit hängt mit Angst, Depression und fehlendem Verständnis zusammen und kann durch Beziehungen und Selbstakzeptanz verringert werden. [1; 2]

Evidenzbasierte Empfehlung (abgelaufen): Befristete Gruppentherapie zur sozialen Interaktion für Erwachsene (Grad A, Evidenzlevel 2, kleine Studien). [3, Empf. 17]

Offen:

  • Zu Partnerschaft und Sexualität gibt es in den gelesenen Quellen kaum Belege.
  • Ob Gruppenangebote Beziehungen im Alltag dauerhaft verbessern, ist unklar; die Leitlinie berichtete für Gruppentrainings stabile Verbesserungen sozialer Kompetenzen über drei Monate; Angaben zu längeren Zeiträumen nannte sie in dem gelesenen Teil nicht. [3, Kap. C.4.2.2]
  • Erfahrungen von Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf sind in den gelesenen Abstracts nicht beschrieben.

Was du sonst noch wissen solltest

  • Es gibt kein „richtiges“ Beziehungsmodell. Die Quellen beschreiben keine Norm.
  • Austausch mit anderen im Spektrum kann entlasten; Selbsthilfe und Anlaufstellen: Anlaufstellen.
  • Bei akuter seelischer Not erreichst du die TelefonSeelsorge kostenlos unter 0800 1110111. [5]
  • Nicht dargestellt: Dating, Sexualität, Kinderwunsch und Trennung.

Häufige Fragen

Wünschen sich Menschen mit Autismus Freundschaften und Beziehungen? Viele ja. Ein systematischer Review (8 qualitative Studien) fand, dass Schwierigkeiten dabei nicht automatisch durch fehlendes Interesse erklärt werden. [1]

Warum fällt es manchen schwer, Freundschaften zu halten? Viele nutzen Tarnen (Camouflaging), um Freundschaften zu knüpfen; für die meisten ist das erschöpfend, oft wenig wirksam und stellt die soziale Echtheit infrage. [1] Mehr: Masking: Wenn Anpassung erschöpft.

Was weiß man über Partnerschaft bei Autismus? Zu Partnerschaften fand der Review kaum Belege. [1]

Warum fühlen sich manche Menschen mit Autismus einsam? Ein Review (34 Artikel) nannte Angst und Depression sowie fehlendes Verständnis als mögliche Faktoren, die Einsamkeit erhöhen, und Beziehungen und Selbstakzeptanz als mögliche Faktoren, die sie verringern. [2]

Gibt es Hilfen, um Kontakte zu knüpfen? Die Leitlinie von 2021 empfahl für Erwachsene ohne Intelligenzminderung eine befristete Gruppentherapie zur Förderung der sozialen Interaktion (kleine Studien). [3, Empf. 17] Die Leitlinie ist abgelaufen. [4]

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Quellen und Literatur

  1. Ridgway K, Cooke K, Demmer DH, Hooley M, Westrupp E, Stokes MA. Camouflaging Autism in Pursuit of Friendship and Intimate Relationships: A Systematic Review. Autism in Adulthood 2025;7(5):543–557. https://doi.org/10.1089/aut.2023.0160 – Systematischer Review
  2. Umagami K (in PubMed als Grace K geführt), Remington A, Lloyd-Evans B, Davies J, Crane L. Loneliness in autistic adults: A systematic review. Autism 2022;26(8):2117–2135. https://doi.org/10.1177/13623613221077721 – Systematischer Review
  3. DGKJP, DGPPN et al. Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 2: Therapie. S3-Leitlinie, AWMF-Reg.-Nr. 028-047, Stand Text 02.05.2021 (Empf. 17; Kap. C.4.2). – Leitlinie; abgelaufen am 23.03.2026 (siehe Nr. 4)
  4. DGKJP. Aktuelle Leitlinien (Eintrag 028-047: „Gültig bis 23.03.2026“). https://www.dgkjp.de/wissen/aktuelle-leitlinien/ – Fachgesellschaft
  5. TelefonSeelsorge Deutschland: Startseite mit Rufnummern. https://www.telefonseelsorge.de/ – Beratungsangebot

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