Kurz erklärt
Keine Autismus-Diagnose heißt nicht, dass es keine Schwierigkeiten gibt. Die Leitlinie von 2016 sah vor, dass bei einer nicht gestellten Autismus-Diagnose die Gründe erläutert werden sollen. [3, Kap. B.6.3.1] Studien aus Spezialsprechstunden fanden, dass nach Überweisung in 30 bis 70 % der Fälle eine Diagnose aus dem Autismus-Spektrum gestellt wurde; was bei den übrigen Fällen vorlag, sagt die Leitlinie nicht. [3, Kap. B.1.2] Für diese anderen Erklärungen kann Unterstützung nötig sein. Und: Wenn sich neue Informationen ergeben, kann die Frage nach Autismus erneut gestellt werden, selbst wenn die Diagnose früher einmal ausgeschlossen wurde. [3, Kap. B.2.4]
Stand der Leitlinie: Dieser Beitrag stützt sich auf die S3-Leitlinie Diagnostik (Textstand 23.02.2016). Sie ist abgelaufen: laut Übersicht der DGKJP war sie „bis 04.04.2021“ gültig. [1] Das Dokument trägt den Vermerk, es werde zurzeit überarbeitet. [3] Neuere Studien sind nicht berücksichtigt. Wir aktualisieren den Beitrag, sobald eine Neufassung vorliegt.
Das Ergebnis verstehen
Frag bei der Rückmeldung nach den Gründen und nach einem schriftlichen Bericht. Die britischen Quellleitlinien nannten: Gründe erläutern, wenn keine Diagnose gestellt wurde, und einen Folgetermin innerhalb von sechs Wochen anbieten. [3, Kap. B.6.3.1] Ob das in deiner Stelle so abläuft, ist offen; in Deutschland bestand kein Konsens, wer wann und wie die Diagnose mitteilt. [3, Kap. B.6.2.2]
Wenn Auffälligkeiten bleiben
Autismus-Merkmale können mit anderen Störungen verwechselt werden und umgekehrt; die Abgrenzung ist ein zentraler Teil der Diagnostik. [2] Häufige andere Erklärungen im Kindes- und Jugendalter sind laut Fachübersicht unter anderem Intelligenzminderung ohne Autismus, Sprachentwicklungsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Bindungsstörungen, soziale Angststörung und Störung des Sozialverhaltens, im Erwachsenenalter etwa Persönlichkeitsstörungen, Zwangsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, affektive Störungen, soziale Phobie und Schizophrenie. [2] Mehr: Abgrenzung: Was kann ähnlich aussehen?.
Erneute Abklärung
Alle drei Quellleitlinien betonten, dass in jedem Lebensabschnitt die Diagnose in Betracht gezogen werden soll, wenn neue Informationen erkennbar sind, selbst wenn sie früher einmal ausgeschlossen wurde. [3, Kap. B.2.4] Bei Kindern mit Entwicklungsstörungen soll das gesamte Vorschulalter über auch auf Autismus hin beobachtet werden; etwa 10 bis 30 % der Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten erhielten im Verlauf von ein bis zwei Jahren eine Diagnose aus dem Autismus-Spektrum. [3, Empf. 32, 33]
Unterstützung ohne Autismus-Diagnose
Förderung, Therapie und Hilfen richten sich nach dem Bedarf, nicht nur nach einer einzelnen Diagnose (Einschätzung der Redaktion). Zu Hilfen für andere Diagnosen können Ärzt:innen, Beratungsstellen und die EUTB beraten: Beratung finden. Schulische Unterstützung: Gute Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule.
Was du sonst noch wissen solltest
- Zweite Meinung: Du kannst eine weitere spezialisierte Stelle aufsuchen. Hinweise zu Stellen: Diagnostik bei Kindern und Diagnostik im Erwachsenenalter. Ob dies nötig ist, entscheidest du.
- Das Ergebnis kann enttäuschen. Bei akuter seelischer Not: TelefonSeelsorge, 0800 1110111. [4]
Das könnte dich auch interessieren
- Abgrenzung: Was kann ähnlich aussehen?
- Nach der Diagnose: erste Schritte
- Beratung finden: EUTB und andere Stellen
Quellen und Literatur
- DGKJP. Aktuelle Leitlinien (Einträge 028-018 „Gültig bis 04.04.2021“ und 028-047 „Gültig bis 23.03.2026“). https://www.dgkjp.de/wissen/aktuelle-leitlinien/ – Fachgesellschaft
- Höhne E, Kamp-Becker I. Diagnostik der Autismus-Spektrum-Störung. Pädiatrie 2024;(4+5):27–32. – Fachübersicht
- DGKJP, DGPPN et al. Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 1: Diagnostik. S3-Leitlinie, AWMF-Reg.-Nr. 028-018, Textstand 23.02.2016. – Leitlinie (abgelaufen, laut Dokumentvermerk in Überarbeitung)
- TelefonSeelsorge Deutschland: Startseite mit Rufnummern. https://www.telefonseelsorge.de/ – Beratungsangebot
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