Kurz erklärt
Im Schulalter gibt es nur wenige abgesicherte Warnzeichen. Die britische Leitlinie, auf die sich die Leitlinie von 2016 stützte, fand für Kinder von 6 bis 11 Jahren nur zwei Merkmale mit ausreichender Belegbarkeit: „kein soziales Spielen“ und „hält keine Unterhaltungen mit anderen aufrecht“. Für Jugendliche von 12 bis 17 Jahren fanden sich keine Symptome und Warnzeichen; für das gesamte Schulalter erfüllte nur „repetitives Sprechen über ein Thema“ die Kriterien. Die Studienqualität wurde für alle Altersgruppen als sehr niedrig eingestuft. [2, Kap. B.2.2] Wichtiger als einzelne Merkmale: Sorgen von Eltern, anderen Betreuenden und älteren Kindern selbst sollen ernst genommen werden, auch wenn andere sie nicht teilen. [2, Kap. B.2.2]
Stand der Leitlinie: Dieser Beitrag stützt sich auf die S3-Leitlinie Diagnostik (Textstand 23.02.2016). Sie ist abgelaufen: laut Übersicht der DGKJP war sie „bis 04.04.2021“ gültig. [1] Das Dokument trägt den Vermerk, es werde zurzeit überarbeitet. [2] Neuere Studien sind nicht berücksichtigt. Wir aktualisieren den Beitrag, sobald eine Neufassung vorliegt.
Was die Leitlinie nannte
Die Merkmale oben sind kein Test. Sie zeigen vor allem, wie wenig gesichert Warnzeichen im Schulalter sind. Die Leitlinie nannte auch Bereiche, in denen sich Autismus zeigt: soziale Interaktion, Kommunikation (auch Sprachgebrauch, nonverbale Kommunikation, Verständnis von übertragener Bedeutung) und wiederkehrende Verhaltensweisen, Interessen und Routinen. [2, Kap. A.2.1] Beim Asperger-Syndrom (Begriff der damaligen ICD-10) fehlten prospektive Studien; Eltern berichteten rückblickend, sich häufig schon vor dem dritten Lebensjahr Sorgen gemacht zu haben. [2, Kap. B.2.6]
Autismus ohne Auffälligkeiten in der Kindheit
Merkmale fallen nicht immer vor Kita oder Schule auf. [2, Kap. B.2.1] Gute Blickkontakte, Lächeln und Zuwendung gegenüber der Familie schließen Autismus nicht aus. [2, Kap. B.2.2] Bei kognitiv gut begabten Kindern können selbst erarbeitete Strategien Merkmale verdecken. [2, Kap. A.2.1]
Wo es auffallen kann
Die Schuleingangsuntersuchung (bei 5- bis 6-Jährigen) kann Auffälligkeiten zeigen, die zu einer spezifischen Diagnostik führen sollten. [2, Kap. B.2.6.1] Verhaltensauffälligkeiten bei Autismus werden nicht selten zunächst anders gedeutet, etwa als Trotz. [2, Kap. B.2.6.1] Für Lehrkräfte: Schüler:innen mit Autismus im Unterricht.
Was du tun kannst
- Beobachtungen aufschreiben (Praxistipp der Redaktion): Situation, Häufigkeit, was hilft.
- Mit der Kinderarztpraxis oder einer Beratungsstelle sprechen. Zum Ablauf: Diagnostik bei Kindern: Wer, wo, wie?.
- Unabhängig von einer Diagnose kann Unterstützung in der Schule besprochen werden: Gute Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule.
Was du sonst noch wissen solltest
- Wenn dein Kind nicht in die Schule gehen mag: Schulvermeidung und Schulabsentismus.
- Nicht dargestellt: Warnzeichen bei Mädchen im Vergleich zu Jungen. Dazu liegt uns kein geprüfter Beleg in diesem Beitrag vor; siehe Frauen und Autismus.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich Autismus bei Schulkindern? Für Kinder von 6 bis 11 Jahren fand die britische Leitlinie, auf die sich die deutsche Leitlinie von 2016 stützte, nur zwei Merkmale mit ausreichender Belegbarkeit: „kein soziales Spielen“ und „hält keine Unterhaltungen mit anderen aufrecht“. Das sind keine Tests. Die Studienqualität wurde als sehr niedrig eingestuft. [2, Kap. B.2.2]
Gibt es Anzeichen bei Jugendlichen? Für Jugendliche von 12 bis 17 Jahren fand die Quellleitlinie keine Symptome und Warnzeichen mit ausreichender Belegbarkeit. [2, Kap. B.2.2]
Kann Autismus erst in der Schule auffallen? Ja, Merkmale fallen nicht immer vor Kita oder Schule auf. Bei kognitiv gut begabten Kindern können selbst erarbeitete Strategien Merkmale verdecken. [2, Kap. B.2.1, A.2.1]
Was können Eltern und Lehrkräfte tun? Sorgen von Eltern, Betreuenden und älteren Kindern selbst sollen ernst genommen werden. [2, Kap. B.2.2] Beobachtungen aufschreiben und mit der Kinderarztpraxis oder einer Beratungsstelle sprechen; zum Ablauf: Diagnostik bei Kindern: Wer, wo, wie?.
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Quellen und Literatur
- DGKJP. Aktuelle Leitlinien (Einträge 028-018 „Gültig bis 04.04.2021“ und 028-047 „Gültig bis 23.03.2026“). https://www.dgkjp.de/wissen/aktuelle-leitlinien/ – Fachgesellschaft
- DGKJP, DGPPN et al. Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 1: Diagnostik. S3-Leitlinie, AWMF-Reg.-Nr. 028-018, Textstand 23.02.2016. – Leitlinie (abgelaufen, laut Dokumentvermerk in Überarbeitung)
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