Kurz erklärt
Die britische Leitlinie für Erwachsene, auf die sich die deutsche Leitlinie von 2016 stützte, nannte drei Schlüsselsymptome, bei denen weitere diagnostische Schritte erwogen werden sollten: überdauernde Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, überdauernde Schwierigkeiten in der sozialen Kommunikation und stereotype (rigide, wiederholende) Verhaltensweisen, Widerstand gegen Veränderungen oder eingeschränkte Interessen. [2, Kap. B.2.2] Das sind keine Diagnosekriterien und kein Test. Bei Erwachsenen ist die Erkennung besonders schwierig, weil Merkmale durch Anpassung verdeckt sein können und andere Probleme im Vordergrund stehen. [2, Kap. B.2.2] Eine Diagnose stellt nur eine Fachstelle.
Stand der Leitlinie: Dieser Beitrag stützt sich auf die S3-Leitlinie Diagnostik (Textstand 23.02.2016). Sie ist abgelaufen: laut Übersicht der DGKJP war sie „bis 04.04.2021“ gültig. [1] Das Dokument trägt den Vermerk, es werde zurzeit überarbeitet. [2] Neuere Studien sind nicht berücksichtigt. Wir aktualisieren den Beitrag, sobald eine Neufassung vorliegt.
Welche Symptome die Leitlinie nannte
Bei einem der drei genannten Schlüsselsymptome (siehe oben) empfahl die Leitlinie, die Möglichkeit von Autismus in Erwägung zu ziehen. Die Empfehlung beruhte laut Leitlinie nicht auf hochwertigen Studien, sondern auf den Klassifikationssystemen und Expertenwissen; Kriterien waren leichte Anwendbarkeit in der Praxis und Verständlichkeit für Betroffene. [2, Kap. B.2.2] Näheres zu den Kriterien: Diagnosekriterien.
Biografische Hinweise
Zusätzlich sollten laut Leitlinie berücksichtigt werden: Probleme beim Einstieg oder Aufrechterhalten einer Berufstätigkeit oder Ausbildung, Schwierigkeiten beim Beginnen oder Halten sozialer Beziehungen sowie frühere oder aktuelle Kontakte mit psychiatrischen Einrichtungen oder anderen Hilfesystemen für Menschen mit Behinderung. [2, Kap. B.2.2] Solche Erfahrungen haben viele Ursachen; sie sind kein Beleg für Autismus.
Warum es spät auffallen kann
- Die Leitlinie hielt fest, dass Menschen im Spektrum ohne Intelligenzminderung eigene Kompensationsstrategien entwickeln können, die Merkmale verdecken und die Diagnostik erschweren. [2, Kap. A.2.1] Mehr: Masking: Wenn Anpassung erschöpft.
- Erwachsene suchen Hilfe häufig wegen anderer gesundheitlicher oder psychischer Probleme; Begleiterkrankungen wie Depression erschweren die Abklärung. [2, Kap. B.2.2]
- Die Leitlinie nannte die Symptome im Erwachsenenalter wenig bekannt; viele Erwachsene seien deshalb unterdiagnostiziert. [2, Kap. B.4.13.1]
Was du tun kannst
- Hinweise sammeln, z. B. wann Schwierigkeiten begannen und was in Kindheit und Schule auffiel (Praxistipp der Redaktion). Für die Diagnostik wird mindestens eine nahestehende Person einbezogen, die dich seit der Kindheit kennt; zusätzlich Unterlagen wie Zeugnisse. [2, Empf. 18]
- Fachstelle suchen: Diagnostik im Erwachsenenalter, Überweisung, Kosten und Wartezeiten.
- Fragebögen einordnen: Screening-Fragebögen und Online-Tests.
Was du sonst noch wissen solltest
- Mit einer späten Diagnose sind für viele gemischte Gefühle verbunden: Späte Diagnose: Was sich verändern kann.
- Bei akuter seelischer Not: TelefonSeelsorge, 0800 1110111. [3]
- Nicht dargestellt: Selbsteinschätzungen im Internet und Erfahrungsberichte.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich Autismus bei Erwachsenen? Die Leitlinie nannte drei Schlüsselsymptome: überdauernde Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, überdauernde Schwierigkeiten in der sozialen Kommunikation und stereotype Verhaltensweisen, Widerstand gegen Veränderungen oder eingeschränkte Interessen. Das sind keine Diagnosekriterien und kein Test. [2, Kap. B.2.2]
Kann Autismus erst im Erwachsenenalter auffallen? Ja, das kommt vor. Die Leitlinie hielt fest, dass Kompensationsstrategien Merkmale verdecken können, und nannte viele Erwachsene unterdiagnostiziert. [2, Kap. A.2.1, B.4.13.1] Mehr: Späte Diagnose: Was sich verändern kann.
Reicht ein Online-Test, um Autismus bei Erwachsenen festzustellen? Nein. Eine Diagnose stellt nur eine Fachstelle. [2, Kap. B.2.2] Was Fragebögen leisten und wo ihre Grenzen liegen: Screening-Fragebögen und Online-Tests.
Wie komme ich zu einer Abklärung? Siehe Diagnostik im Erwachsenenalter und Überweisung, Kosten und Wartezeiten.
Das könnte dich auch interessieren
- Diagnostik im Erwachsenenalter
- Späte Diagnose: Was sich verändern kann
- Screening-Fragebögen und Online-Tests
Quellen und Literatur
- DGKJP. Aktuelle Leitlinien (Einträge 028-018 „Gültig bis 04.04.2021“ und 028-047 „Gültig bis 23.03.2026“). https://www.dgkjp.de/wissen/aktuelle-leitlinien/ – Fachgesellschaft
- DGKJP, DGPPN et al. Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 1: Diagnostik. S3-Leitlinie, AWMF-Reg.-Nr. 028-018, Textstand 23.02.2016. – Leitlinie (abgelaufen, laut Dokumentvermerk in Überarbeitung)
- TelefonSeelsorge Deutschland: Startseite mit Rufnummern. https://www.telefonseelsorge.de/ – Beratungsangebot
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