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Autismus verstehen

Autismus und intellektuelle Beeinträchtigung

Für wen? Für Eltern, Angehörige und Fachkräfte, die verstehen möchten, wie Autismus und eine intellektuelle Beeinträchtigung (Intelligenzminderung) zusammenhängen können und was die Leitlinie zur Förderung sagte.

Kurz erklärt

Autismus kann mit und ohne Intelligenzminderung auftreten. Deshalb unterschied die S3-Leitlinie von 2021 in vielen Empfehlungen zwischen Menschen mit und ohne Intelligenzminderung. [2, Kap. C.1] Eine Intelligenzminderung zählt zu den häufigen Begleiterkrankungen bei Autismus. Sie muss genau abgeklärt werden, auch weil sie die Abgrenzung zu anderen Störungen erschwert. [1] Für die Förderung allgemeiner kognitiver Fertigkeiten gab die Leitlinie nur für kleine Kinder eine evidenzbasierte Empfehlung; später steht die Förderung alltagspraktischer Fähigkeiten im Vordergrund. [2, Empf. 39, 40] Die Leitlinie ist seit dem 23.03.2026 abgelaufen. [3]

Stand der Leitlinie: Dieser Beitrag nutzt die S3-Leitlinie Therapie (2021). Sie ist seit dem 23.03.2026 abgelaufen. [3] Die Aussagen sind nicht automatisch falsch, aber nicht durch eine gültige Leitlinie gedeckt.

Zwei Merkmale, die nebeneinander vorkommen können

Nach der Fachübersicht von 2024 zählt die Intelligenzminderung zu den psychischen Begleiterkrankungen bei Autismus. [1] Zugleich ist Autismus nach der Übersicht sehr vielgestaltig, unter anderem bei Ausprägung, sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten. [1] Eine Diskrepanz zwischen kognitiven und sozialen oder alltagspraktischen Fertigkeiten sollte im Umgang berücksichtigt und Unter- oder Überforderung vermieden werden. [2, Empf. 3] Zahlen zur Häufigkeit des gemeinsamen Auftretens nennt dieser Beitrag nicht, weil die gelesenen Quellen dazu keine Angaben enthalten, die wir sicher einordnen können.

Förderung bei kleinen Kindern

Ist die Verbesserung der allgemeinen kognitiven Fertigkeiten ein Therapieziel, sollten nach der Leitlinie (Empfehlungsgrad B) bei Klein- und Vorschulkindern mit und ohne Intelligenzminderung umfassende Trainings verschiedener Entwicklungsbereiche eingesetzt werden. Wesentliche Elemente sind die Förderung des selbst initiierten Lernens durch mehr soziale Motivation sowie Spiel-, Imitations- und Interaktionsfertigkeiten, die Erweiterung des Spiel- und Reizrepertoires mit Aufbau von Interessen und Neugier, und das häufige Üben in verschiedenen Situationen. [2, Empf. 39] Bei Kindern mit unterdurchschnittlichen kognitiven Fertigkeiten oder langsamem Lerntempo kann die Therapiefrequenz zeitlich begrenzt von etwa 2 auf 5 bis 10 Stunden pro Woche erhöht werden (Empfehlungsgrad C). Die Wirkung soll regelmäßig, etwa alle 6 Monate, anhand standardisierter Tests überprüft werden, da nur manche Kinder von einer intensivierten Therapie profitieren. [2, Empf. 39] Mehr zu den Therapieverfahren: Autismusspezifische Therapie und Förderung und Frühförderung.

Ab dem Grundschulalter und im Erwachsenenalter

Im Grundschul-, Jugend- und Erwachsenenalter ist die Förderung der allgemeinen kognitiven Fertigkeiten nach der Leitlinie in der Regel kein spezifisches Therapieziel mehr; stattdessen sollte eine individuelle Förderung alltagspraktischer Fähigkeiten erfolgen. [2, Empf. 40] Bei Lese-Rechtschreib-Störung oder Rechenstörung soll die Therapie nach den entsprechenden S3-Leitlinien geplant werden. [2, Empf. 40] Die Leitliniengruppe empfahl außerdem, (vor-)schulische Förderprogramme zu entwickeln und wissenschaftlich zu überprüfen, die im deutschen Schulsystem umsetzbar sind, und entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten für Erzieher:innen und Lehrkräfte zu schaffen. [2, Empf. 41] Zur Schule: Schulbegleitung im Schulalltag.

Was nicht wirkt

Nach der Leitlinie (Empfehlungsgrad A, Evidenzlevel 1) standen keine biologischen Verfahren zur Verfügung, die die kognitiven Fertigkeiten bei Menschen mit Autismus und Intelligenzminderung verbessern, zum Beispiel Vitamine, Mineralstoffe oder Omega-3-Fettsäuren. Das Gleiche galt für alternative Verfahren wie auditorisches Integrationstraining, Biofeedback, Musiktherapie oder Massage. Solche Verfahren sollen nicht mit dem Ziel eingesetzt werden, kognitive Fertigkeiten zu verbessern. [2, Empf. 43] Hinweise auf unseriöse Angebote: Unseriöse Angebote erkennen.

Was du sonst noch wissen solltest

  • Individuell bleiben. Die Leitlinie betonte individuelle Fertigkeiten und Bedürfnisse. [2, Empf. 3]
  • Alltagspraktische Fähigkeiten und Teilhabe stehen später im Vordergrund; Leistungen dafür: Wohnen und Assistenz und Eingliederungshilfe.
  • Begleiterkrankungen mitdenken: Häufige Begleiterkrankungen.
  • Nicht dargestellt: Diagnostik von Intelligenz im Einzelnen, Häufigkeitszahlen, Förderung im Erwachsenenalter außer den genannten Aussagen.

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Quellen und Literatur

  1. Höhne E, Kamp-Becker I. Diagnostik der Autismus-Spektrum-Störung. Pädiatrie (Rosenfluh) 2024;(4+5):27–32. https://rosenfluh.ch/media/paediatrie/2024/04-05/Diagnostik-der-Autismus-Spektrum-Stoerung.pdf – Fachübersicht
  2. DGKJP, DGPPN et al. Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 2: Therapie. S3-Leitlinie, AWMF-Reg.-Nr. 028-047, Stand Text 02.05.2021 (Kap. C.1; Empf. 3, 39, 40, 41, 43). – Leitlinie; abgelaufen am 23.03.2026 (siehe Nr. 3)
  3. DGKJP. Aktuelle Leitlinien (Eintrag 028-047: „Gültig bis 23.03.2026“). https://www.dgkjp.de/wissen/aktuelle-leitlinien/ – Fachgesellschaft

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